Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

IV. Chirurgie und Augenheilkunde. 105 
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mit einem durchbohrten Zapfen versehen ist. Dieser Zapfen ist 
in eine messingene, mit einem Hahne versehene Hülse, die eine 
in die Schraube der Pumpe passende Schraubenmutter hat, ein- 
gekittet. Er setzt die Mündung des Glases auf den Bruch und 
pumpt vermittelst mehrerer Züge mit dem Stempel die Luft 80 
aus der Glasglocke, dass der Bruch noch ein Mal so hoch in 
die Höhe steigt. Manchmal gelingt es, dass der Bruch jetzt 
schon von selbst durch den Bauchring zurücktritt, oder, wenn 
dieses auch nicht geschieht, doch nach Abnahme des Glases die 
Reposition auf die allerleichteste Art bewirkt wird. Haurr be- 
stätigt dies in einem, im Jahre 1818 erschienenen, wahrschein- 
lich nicht in den deutschen Buchhandel gekommenen Programm, 
unter dem Titel: De usu antlige pneumaticae in arte medica etc. 
a Caroz0 Haurr. Gandae et Francof. ad Moen., und B. sah von 
der Anwendung dieser Methode immer den besten Erfolg; jedes 
Mal gelang ihm die Reposition. Nur hei vollkommenen Skrotal- 
brüchen zweifelte er noch an der Anwendbarkeit derselben; in- 
dessen überzeugte er sich noch vor Kurzem vom Gegentheile 
bei einem 70jährigen Greise, der schon seit einer langen Reihe 
von Jahren einen Leistenbruch hatte. Das Bruchband, wodurch 
er ihn zurückhielt, war schadhaft geworden, so dass der Bruch 
eines Nachmittags nicht nur unter der Pelotte hervor,‘ sondern 
auch bis in den Hodensack hinabdrang. Erst am andern Mor- 
gen, nachdem der Kranke selbst zuvor vergeblich die Reposition 
versucht hatte, suchte er Hülfe, allein die Taxis wurde eben- 
falls vergeblich angewendet. Man nahm zu warmen Kräuterum- 
schlägen und häufigen Klystieren seine Zuflucht; auch wurden 
Auflösungen von Glaubersalz genommen, worauf zwar sehr häu- 
fige Stühle erfolgten und wenigstens die herausgefallene Darm- 
portion selbst ziemlich ausgeleert wurde, aber die Zusammen- 
ziehung des Bauchringes war nicht bezwungen. Den Nachmittag 
versuchte B. eine Erschlaffung desselben mit der Saugpumpe zu 
bewirken, erreichte jedoch nur so viel, dass etwa die Hälfte 
der herausgefallenen Darmportion zurückgebracht werden konnte. 
Da der Zustand des Kranken keine Gefahr drohte, so setzte B. 
erst am andern Morgen die Pumpe wiederholt an, und es ge- 
lang, dass dadurch der grösste Theil der Gedärme sich zurück- 
zog, und der Rest durch eine leichte Manipulation zurückge- 
bracht werden konnte. Kin gutes Bruchband wurde neu ange- 
legt, und schon am dritten Tage konnte der Kranke wieder ei- 
nen Spaziergang machen. — Kin lediges Frauenzimmer von 38 
Jahren hatte einen eingeklemmten Leistenbruch, dessen Durchmes- 
ser etwa 2} Zoll betrug, und der steinhart anzufühlen war, ohne 
im mindesten nachzugeben. Nachdem B. einige Stunden lang 
warme Kamillenumschläge und abwechselnd erweichende Klystiere 
hatte anwenden lassen, wodurch sich die grosse Härte des Bruchs 
etwas minderte, setzte er die Saugpumpe an, und durch eine 
halbviertelstündige Anwendung derselben hatte er den Bauch-
	        
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