Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

III. Materla medica und Toxikologie. 101 
Mittel machen und die Resultate derselben mittheilen! [ Med, 
‚hirurg. Zeitung , 1832, Beilage zu Nr. 87.) (K— e.) 
61. Weinranken-Extract gegen Epilepsie; von 
Dr. Kuose in Breslau. Kin 34jähriges, unverheirathetes Frauen- 
zimmer bekam vor 5 Jahren die Fallsucht. Gewöhnlich gingen 
die Anfälle den Katamenien wenige Tage voran, oder {olgten 
ihnen bald, seltener war beides der Fall, und am seltensten ka- 
men sie in der Zwischenzeit vor. Da es an einer Causalanzeige 
gebrach, waren bisher rein empirisch eine Menge krampf- 
stillender und antiepileptischer Mittel vergeblich benutzt worden. 
Als K. die Behandlung der Kranken übernahm, glaubte er in 
der fast atrabilarischen Constitution, den sparsamen Excretionen 
und der Neigung zu Verstopfung eine Heilanzeige zu finden 
und wendete daher mehrere Monate die kräftigsten auflösenden 
und eröffnenden Mittel, doch vergeblich, an, ja es traten nicht 
einmal‘ bedeutende Reactionen des Organismus ein. Da das 
Uebel als Kpilepsia  emphractica betrachtet werden durfte, so 
schien sich der Fall zu einem Versuche mit dem Safte unreifer 
Weintrauben zu eignen, da aber zufällig dieser Versuch nicht 
gemacht werden konnte, so fiel K. auf ein verwandtes Mittel, 
dessen tiefe Einwirkung in die reproductive Sphäre bereits viel- 
fach erprobt ist, auf das Weinranken- Extract. Seit 2 Monaten 
nimmt nun die Kranke dasselbe mit auffallendem Erfolge und 
zwar jetzt alle 2 Stunden einen halben Serupel in Himbeer- 
wasser. Fast alle Exeretionen, besonders die des Urins, sind 
merklich vermehrt, es findet sich Neigung zu öftern breiartigen 
Darmentleerungen, die graugelbe Gesichtsfarbe hat sich gebes- 
sert, und die sonst regelmässig, wenigstens alle 4 Wochen zu- 
rückkehrenden epileptischen Anfälle sind ausgeblieben, während 
die Katamenien schon zwei Mal ohne Beschwerde erschienen, 
was doch, wenn man auch daraus nicht zu viel schliessen will, 
immer sehr bemerkenswerth scheint. [Med. Zeitung vom Ver- 
eine für Heilkunde in Preussen, Nr. 16.] (K— e.) 
62. Formeln zu verschiedenen Zubereitungen 
des Quecksilberkyanids. Cuaussıer wendete zuerst das 
Quecksilberkyanid (Hydrarg. borussic.) bei Syphilis als Einrei- 
bung in die Fusssohlen oder unter die Achseln an, doch ging 
man bald, wahrscheinlich wegen zu energischer Wirkung, von 
diesem Mittel ab. Durch zufällig gemachte Erfahrungen wurde 
indess ParenT neuerlich bewogen, dies Präparat bei venerischen 
Vebeln wieder zu gebrauchen. Nach demselben ist es leichter in 
Wasser löslich, als Quecksilbersublimat , wird daher leichter ab- 
sorbirt und wirkt somit auch schneller. Der öfteren Anwendung 
folgten überdies nicht die epigastrischen Schmerzen, die so oft 
nach Gebrauche des Sublimats sich einstellen, auch ist es weni- 
ger leicht, als Sublimat, zersetzbar. Beim Anfange der -Syphilis 
giebt PaArRENT täglich 4, dann +, 4, endlich } Gran. Die letz- 
tere Dose übersteigt er selten, obgleich mehrere Individuen 1-—
	        
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