Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

66 MH. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
den sind, ung daher.die Krankheit irgendwo eiuheimisch ma- 
chen, oder durch nur zu einer gewissen Zeit und ohne jenes 
Gebundenseyn an den Ort auf eine beträchtliche Mehrheit von 
Individuen einwirkende Ursachen. Im ersteren Falle wird die 
krankheit als eine endemische, im letzteren hingegen als eine 
epidemische aufgeführt. Da der Einzelnheit des Sporadi- 
scheu. sowohl die Kpidemie als die Endemje durch eine ge- 
wisse Allgemeinheit entgegengesetzt sind, so hat man beide zu- 
sammen auch wohl allgemeine Krankheiten genannt. Fragte 
man, wie Viele erkranken müssten, damit die Krankheit eine all- 
gemeine sey, ‘so könnte man erwidern, dass ein durchgängiges 
Ergriffenwerden Aller schon deshalb nicht erwartet werden dürfte, 
ja ja nicht Jeder die erforderliche Disposition besitzen würde, 
dass aber, wo wirklich allgemeinere krankmachende Kinflüsse 
nicht zu verkennen wären, bei einer grossen Menge die Zahl 
der disponirten, somit wirklich Krkrankenden wohl immer be- 
trächtlich genug seyn werde. Es hängt übrigens von der All- 
yemeinheit oder Beschränktheit der Anlage und der schädlichen 
Einflüsse ab, dass oft dieselben Krankheitsarten bald nur spora- 
disch, bald hingegen paudemisch auftreten. Dies gilt auch von 
der gewöhnlichen Cholera, so dass man dieselbe mit Unrecht 
die sporadische nennt und sie hierdurch der asiatischen entge- 
zenseizt. Kin endemisches Uebel wird zwar nicht aufhören, ein 
an dem Orte einheimisches zu seyn, doch können bisweilen zu- 
fällig zur Wenige daran leiden, so dass’ es sich nur sporadisch 
findet. Auch kaun es die engen Gränzen seiner Heimath unter 
passenden und hinreichenden Bedingungen überschreiten, wie das 
gelbe Fieber und die ostindiache Cholera gethan haben. — 
Zweitens ist die allgemeine Verschiedenheit des Mias- 
mas vom Contagium und die Mannigfaltigkeit eines 
jeden von beiden genau und scharf zu bestimmen. Wie 
das gesunde Leben nicht beim Individuum stehen bleibt, sondern 
neue Individuen erzeugt, so kann auch Krankhaftes sich den er- 
zeugten Keimen mittheiten, wie dies in den sogenannten KErb- 
krankheiten ‚geschieht. Aehnliches geschieht , ‚wenn durch 
eine Krankheit ein gewisses Vermittelndes gebildet wird, das die 
Fähigkeit besitzt, in Andern eben solche Krankheit, aus der: es 
Felbst entstanden ,- wieder. hervorzubringen und, indem dies in 
den neuen Krankhieitsfühen sich wiederholt, eine Verkettung sol- 
cher krankhaften Pro- und Reproduetienen darzustellen; Solche 
sich selbst wiedererzeugende Krankheitsproduete sind zwar bis- 
her noch nicht als’ bestimmte Körper abgesondert dargestellt 
worden, doch kann man nicht umhin, sie als materielle Dinge 
anzuerkennen. Da nur in den durch ein solches Agens affcir- 
ten Körpern ein neuer ähnlicher krankhafter Process auftritt, so 
hat man dasselbe Ansteckungsstoff genannt, womit der 
Ausdruck Contagium ale identisch ‚angenommen worden ist. 
Vou dem Begriffe eines Contagiums hat man den eines Mias-
	        
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