Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

VI. Medicin im: Allgemeinen. 
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wachend zu. erhalten. © Darüber, ob: und wie der grosse Durst ge- 
stillt werden. sollte, waren die Aerzte sehr uneins, auch kamen 
über die zu erlaubenden: ‚Speisen manocherlei Meinungen zum 
Vorschein. Was die Heilmittel betrifft , so versicherte Prrtaı in 
Worms, dass: das Uebel. gar keine. kostbaren. Arzueien. verlange, 
sondern dass gehörige Abwartung, eine gute Diät und passendes 
Regim- hinreichten. Die meisten. Aerzie verliessen sich auf ihre 
Antidota, unter denen der Theriak cine Hauptrolle spielte. Auch 
verordneten sie Edelsteine verschiedener Art, so wie eine Menge 
andere, meist. vegetabilische Mittel, unter denen. sich mehrere 
befanden, die wir noch: jetzt bei: nervösen: Fiebern benutzen, z. 
B. Valeriana. — Was die epidemische Krankheit des 
Jahres 1580’ anlangt, so war das auffallendste Symptom der- 
selben. grosse Niedergeschlagenheit- der. Kräfte, Das Uebel be- 
fiel mit allgemeinem. Froste, Eingenommenheit des Kopfes, be- 
schwerlichem Athmen und Husten, wozu sich gastrische Zeichen, 
Erbrechen und Durchfall fandenz dem Froste folgte allmählich 
zunehmende , bald anhaltende, bald nachlassende Hitze mit klei- 
nem, geschwindem, ungleichem Pulse, beschwerlichem Athmen, 
Husten, Gliederschmerzen und Schlafsucht oder Unruhe. Der 
Durst war mässig, der Appetit erloschen. Meist schwand am 
vierten Tage das Fieber unter kritischen Erscheinungen, beson- 
ders unter. Schweiss, womit die Krankheit gehoben war und nur 
troch mehrere Tage Mattigkeit und Husten zurückblieben. Der Hu- 
sten war Anfangs trocken, später ging dünner, wässeriger Schleim 
und zuletzt eine consistente Materie mit Erleichterung ab. Für 
Schwächliche, Alte, Kinder, Brustkranke und Verkrümmte war 
das Uebel gefährlich, auch. kamen mehrere durch. verkehrtes 
Verhalten, besomders hitzige Mittel, um. Dass die Krankheit 
von einer besondern Beschaffenheit der Atmosphäre abhänge, 
sah man recht gut ein, doch glaubte man auch, dass ein Komet 
und Sonnenfinsternisse dazu beigetragen hätten. Die nächste Ur- 
sache anlangend, sollte durch die grosse Feuchtigkeit in der 
Luft die Säftemasse in.den Venen vermehrt und diese dadurch 
verstopft worden seyn. Da nun die Feuchtigkeiten sich nicht 
gehörig fortbewegen komten, wärem sie faulig geworden, und 
hieraus habe‘ sich die Krankheit entwickelt. Bei der Cur em- 
pfahl man ein kühles Verhalten, gab leicht. verdauliche Speisen 
und demulcirende Getränke,. se wie gelinde Diaphoret, und Ec- 
coprotica, Bei Alten war Theriak das Hauptmittel und oft setzte 
man noch Camph. zu. Gegen. den Husten brauchte: man Oel- 
cinreibungen und Syrupe. Berühmt war besenders gegen dieses 
Uebel der aus mehreren. Erden,. Edelsteinen etc. bestehende, 
Pulvis rubens, so wie das Klech e- suc00 rosarıum Nicolai, 
Starke Purgirmittel und Aderlässe schadeten, doch waren bei 
vorwaltendem entzündlichen Zustande Biutegel oder Schröpfköpfe 
unentbehrlich. Die Epidemie. war. wohl nicht,. wie Kinige glau- 
ben, Keuchhusten, oder MiıLLAr’sches Asthma, oder häutize Bräune,
	        
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