Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

VI. Staatsarzneikunde. 
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Alle Bedürfnisse, welche den Isolirten abgehen, hat die Commun 
vorschussweise oder auch umsonst zu liefern. — Die Leichname 
der an der Cholera verstorbenen Menschen werden an isolirte 
Orte gebracht, bis zur Beerdigung nach der Desinfections-Instru- 
etion behandelt, nicht ohne dringende Nothwendigkeit vor der 
zesetzlich bestimmten Zeit und zwar an Plätzen ausserhalb der 
Oerter begraben. Die Särge müssen verpicht und die Gräber 
nicht unter 6 Fuss tief gemacht werden. — Nun folgt die 
Passordnung für Reisende zu Lande und zu Wasser, welche wir, 
als allgemein bekannt, übergehen zu können glauben. —- 3) 
Anweisung zum Desinfectionsverfahren. Man bedient 
sich dazu der Waschungen, Räucherungen und des Durchlüftens, 
Zu den Waschungen dienen die starke und schwache Chlorkalk- 
solution; scharfe Aschenlauge und weisse und grüne Seife, in 
Wasser aufgelöst. Die Räucherungen macht map mit Chlorgas 
and mit salpetersauren Dämpfen. Man desinficirt damit Personen, 
Wohnungen und Effeceten. Das nähere Verfahren wird genau 
vorgeschrieben. Sachen ohne Werth sollen verbrannt werden. — 
4) Anleitung zur Verhütung und vorläufigen Be- 
handlung der asiatischen Cholera. Die Verordnungen, 
welche hier zur Abwendung der Seuche gegeben werden, sind 
nicht sowohl Befehle, als gutgemeinter Ratlı und Appellation an 
die Vernunft des Volkes. Man empfiehlt Mässigkeit in allen 
Genüssen, Keinlichkeit, angemessene Kleidung, gesunde Nahrung, 
Bewegung in freier Luft, stete Beschäftigung, Verbannung aller 
übertriebenen Furcht und ein ruhiges, Gott ergebenes Gemüth. 
— BRücksichtlich der vorläufigen Behandlung wird versichert, 
dass im ersten Beginnen der Krankheit jeder sein eigener Arzt 
seyn könne. Es werden daher die Prodromen der Cholera an- 
gegeben und folgende Vorschriften bekannt gemacht. Der Kranke 
wird sogleich in ein ausgewärmtes Bett gebracht und auf alle 
mögliche Weise erwärmt. Man legt ihm ein grosses, auch wohl 
mit Meerrettig versetztes, Senfpflaster auf die Herzgrube, ja 
selbst auf den grössten Theil des Unterleibes, und lässt es bis 
zum Rothwerden liegen. Man reibt ihn, jedoch ohne Krkältung 
zuzulassen, mit erwärmten, wollenen Tüchern, die von Zeit zu 
Zeit mit gutem Branntwein oder Kampherspiritus angefeuchtet 
werden. Er bekommt alle 4-—4 Stunden eine halbe Tasse von 
einem heissen Aufgunsse gewürzhafter Kräuter, und dann wird er 
in ein heisses Laugenhbad oder in ein Dampfbad gebracht. Nur 
in Fällen, wo nicht gleich ein Arzt zu erreichen ist, darf man 
dem Kranken bei erschöpfendem und schmerzhaftem Durchlalie 
ein Klystier von Hafergrütze und Chamillenthee oder auch von 
Stärke geben. Auch kann man mit starkgeröstetem Brote ge- 
kochtes Wasser trinken lassen; anhaltendes Erbrechen mit Brause- 
pulver oder Selterwasser stillen; bei anhaltendem Brennen und 
Beklemmung in der Magengegend, wogegen das Senfpflaster un- 
wirksam blieb, 15—20 Blutegel setzen und, wenn der Kranke 
290 x
	        
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