Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

VI. Staatsarzneikunde. 
gen und die Polizei zu unterstützen, um den Ausbruch und die 
Verbreitung der Cholera zu verhüten. Familienhäupter, Hans- 
wirthe und Medicinal- Personen müssen jeden, in ihrer Familie, 
ihrem Hause und ihrer Praxis vorkommenden, der Cholera ver- 
dächtigen, oder auch nur plötzlich eingetretenen Erkrankungs- 
oder Todesfall ungesäumt anzeigen, und der Commissionsarzt 
muss ihn untersuchen. Ohne schriftliche Erlaubniss kann ein 
solcher Todter nicht beerdigt werden. Die Commissionen müs- 
sen sich wenigstens zwei Mal die Woche versammeln und darü- 
ber höhern- Orts Bericht erstatten. Ausserdem sind in den Städ- 
ten besondere Schutzvereine zu organisiren, welche die Com- 
mission unterstützen und überhaupt über die Ausführung aller 
sanitäts- polizeilichen Vorschriften wachen sollen. Auf die erste 
Nachricht von dem Ausbruche der Cholera hat die Commission 
das wirkliche Daseyn durch ihren Arzt constatiren zu lassen, 
höhern Orts davon Anzeige zu machen und ausserdem, bei einem 
zweiten Erkrankungsfalle, auch den benachbarten Sanitätscom- 
missionen davon Nachricht zu geben. Die Ober-Präsidenten und 
Provinzialregierungen sind in solchem Falle verpflichtet, die Be- 
kanntmachung durch öffentliche Blätter zu bewirken. Von dem 
ersten, als Cholera constatirten Erkrankungs- oder Todesfalle 
an muss wenigstens ein Mitglied in dem Locale der Commission 
immer anwesend seyn, um die erforderlichen Anordnungen sogleich 
zu treffen; der Commissionsarzt ein Journal führen, in welchem 
Name, Alter, Religion, Stand oder Gewerbe, Wohnung, Zeit- 
punkt und Ursache des Erkrankens, wo und durch wen der 
Kranke behandelt, angemerkt wird. Die Commission liefert aus 
diesem Journale wöchentlich zwei Mal einen Extract, wobei die 
Witterungsbeschaffenheit mit angegeben werden soll. Während 
der Seuche sind ungewöhnliche Anhäufungen von Menschen auf 
einem engen Raume möglichst zu verhüten. — Dem Cholera- 
kranken ist die schleunigste und dauernd wirksamste Hülfe noth- 
wendig. Kann er diese nicht in seiner Wohnung haben, so 
wird er anf die schonendste und vorsichtigste Weise in die 
Krankenheilanstalt transportirt. Verschafft sich der Kranke die 
nöthige Verpflegung in seiner Behausung , so ist der ihn behan- 
delnde Arzt für Befolgung der sanitäts-polizeilichen Vorschriften 
verantwortlich und gehalten, den Fall der Commission anzuzei- 
zen, welche für Absonderung des Kranken und seiner nächsten 
Umgebung, und für Anwendung des Reinigungsverfahrens zu 
sorgen hat. Wo möglich wird bloss die Wohnung des Kranken, 
wo das nicht thulich, wird das ganze Haus abgesperrt und bleibt 
es bis nach völliger Genesung. Jeder, der mit dem Kranken 
in Verbindung stand oder treten muss, olme sich mit absperren 
lassen zu wollen, muss sich reinigen lassen, wie denn auch alles 
andere, was mit dem Kranken in Berührung kam, endlich der 
Purification unterworfen wird. Es wird für zweckmässig erachtet, 
besondere Desinfections-Bureaux mit einer Commission zu errichten.
	        
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