Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

V. Chirurgie und Augenheilkunde. 
bei dynamischer Harnverhaltung brauchen kann, und bei denen 
man noch genauer und sorgfältiger Maass zu nehmen hat, müs- 
sen vorher in Oel gekocht, und dann ebentalls überzogen wer- 
den. Was die Form des Beckens betrifft, so richtet sie sich 
aach den verschiedenen besondern Fäilen, deren es drei giebt. 
1) Mangelt ein grösserer Theil der hintern Wand der Blase, 
und der Urin kommt unmittelbar aus den Harnleitern, so muss 
das Becken länger, breiter und offener seyn, als in den andern 
zwei Fällen, weil der Harn höher oben, und nicht aus einer 
einzigen kleinen Oeffnung herauströpfelt. 2) Ist eine fistulöse 
Oeffnung vorhanden, so richtet sich die Länge des Beckens nach 
der Stelle derselben; die Breite hängt allemal von der Weite 
der Scheide ab. In beiden Fällen darf der obere Beckenrand 
ziemlich flach seyn, weil der Urin doch immer zugleich nach 
unten läuft. 3) Kommt der Urin aus der Harnröhrenöffnung, 
so kann das Becken kurz seyn, muss jedoch in die Mutter- 
scheide hineinragen, sowie auch der obere Rand des Beckens 
nicht flach seyn darf, sondern bis an die obere oder vordere 
Wand der Mutterscheide reichen und gelind anschliessen muss. 
U, Der Harnleiter ist derjenige Theil der Maschine, welcher das 
Becken mit der Flasche verbindet. Seine Hauptaufgabe ist, dass 
er keinen Tropfen Urin wieder zurücklässt. Er besteht aus ei- 
ner Röhre von Caortchouk, 1 bis 1% Zoll lang, 2 bis 3 Linien 
im Lichten weit. Die gegenseitige Befestigung der 3 Theile ge- 
schieht so, dass der schmalere Hals des Beckens in den Leiter, 
das untere Ende des Leiters aber in die Flasche gesteckt wird. 
Die einzelnen Stücke werden fest vereinigt, und um die Fuge 
wird, halb auf den Hals der Flasche und halb auf den Leiter, 
noch ausserdem ein Streif von Caoutchouk gelegt. Am obern 
und untern Ende im Kanale des Leiters befindet sich eine Klappe. 
Diese Klappen sind von demselben Materiale. Ihre Richtung 
geht, wie natürlich, nach unten, doch die eine geht nach hin- 
ten, die andere nach vorn zu, damit der Urin, welcher zurück- 
zutreten droht, um so sicherer aufgehalten werde. IHN, Die Fla- 
sache ist der eigentliche Urinhalter, worin der sich sammelnde Urin 
einige Zeit aufbewahrt wird. 1) Sie muss so geräumig seyn, 
um 1 Pfund, nöthigen Falls noch mehr, Urin halten, und so 6 
bis 8 Stunden, ehne ausgeleert zu werden, gebraucht werden, 
zu können. 2) Muss sie ohne Beschwerde bei jeder Körper- 
richtung getragen, gut befestigt werden können, und nicht fühl- 
bar werden. Die beste Form ist die der breitgedrückten Li- 
queurflaschen, ungefähr von 4 bis 5 Zoll Breite, 5 bis 6 Zoll 
Länge und 1 Zoll Dicke. 3) Darf sie unter keinen Umständen 
etwas ausfliessen lassen, weshalb sie am besten von Metall ge- 
arbeitet, äusserlich aber mit einem dünnen Leder überzogen 
oder, wie allemal auf der innern Fläche, überfirnisst wird. Da- 
mit aber der Urin nicht ausfliessen kann, ist oben, gerade un- 
ter dem Halse der Flasche ein Boden, der in der Mitte ein
	        
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