Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

168 IM. Pathologie, Therapie und medieinfsche Klinik. 
jetzte man 9% Blutegel an die‘ Magengegend und 6 Stück an 
die Schläfe. Nachmittags trat bedeutender Sopor ein, die Au- 
genlider schlossen sich, die Pupille war erweitert, das Athmen 
röchelnd; es traten kalte, klebrige Schweisse ein, und um 6 Uhr 
erfolgte der Tod. — 33. Ein 18 Jahre alter Tischlergesell 
zog sich am Ende einer Krätzcur durch Diätfehler Erbrechen 
und Laxiren zu, welches gar bald in Cholera ausartete. Die 
Zunge war dick und gelb belegt, der Geschmack bitter, der 
Durst nach kalten Getränken gross, die Magengegend empfind- 
lich. Es wurden Waschungen gemacht, mehrere Senfteige ge- 
legt und verordnet: RB. Rad. Ipecac. gr. vji), infund. in De- 
coct. Salep. %3j. S. Alle 2 Stunden 2 Esslöffel voll... FR. De- 
goct. Salep. ij» Acid. sulphur. dil. 3%, Infus. Liquir. 3j. S. 
Zum Getränke. Der Kranke bekam noch KEispillen, und da 
Blutandrang gegen den Kopf eintrat, wurden die Ipecacuanha und 
die kalten Waschungen beseitigt und 6 Blutegel an die Schläfe 
gesetzt. Hierauf Genesung. (Fortsetzung folgt.) [ Med. Jahrb. 
A. k. k österr. Staates, 1832, Bd. 12, St. 1; St. 2; St. 3.] 
(V—t.) 
354 Ansteckung und ansteckende Krankheiten. 
Rocnovx Jas hierüber in der königl. Akademie der: Medicin am 
24. Jan. eine Abhandlung vor, welcher zufolge er die anstecken- 
den Krankheiten in 2 Classen unterscheidet: nämlich in solche 
mit einem sich deutlich fortpflanzenden und so wirksamen Keime, 
dass selbst die kleinste Quantität davon bei einem Gesunden eine 
vollkommen ähnliche Krankheit erzeugt, wie bei der Syphilis und 
der Variola,. und in solche mit einem weniger deutlichen, we- 
nigstens schwächer wirkenden Fortpflanzungskeime, wie bei 
Pest und Typhus, bei welchen andere Umstände mitwirken 
müssen, als z. B. Luft, Witterung, Nahrungsmittel u. 8, w. Dem- 
zufolge hält er Sanitätscordons und Quarantainen für unnütz, 
bei dem Typhus sowohl als auch der Cholera, und betrachtet 
als das hauptsächlichste Abwehrungsmittel: auf eine gesunde 
Ortsbeschaffenheit zu sehen. In Bezug der Cholera, so glaubt 
er, sie gerade werde die medicinisch - polizeilichen Maasaregeln 
dieser Art vollends in Misscredit bringen. Ueberall, wo man die 
Krankheit anfangs als eingeschleppt betrachtete, hat sich später 
das Gegentheil erwiesen. [Archives general, de Med., Fevr. 
1832.] (H—r.) 
355. Beschreibung der von dem Monate März 
bis zum Juni 1831 in Fulda geherrschten (?) epide- 
mischen Masern; vom kurhess. Medicinalrathe und Kreis- 
physicus Dr. SCHNEIDER daselbst. Die Krankheit, welche sich 
bereits im Herbste 1830, vom Rhein herübergekommen, in 
Frankfurt und der Wetterau epidemisch gezeigt hatte, überstieg, 
begünstigt durch die nasse ungesunde November- und December- 
Witterung, das hohe Vogelsgebirge, verbreitete sich im Darm- 
atädtischen und wurde im December von einem aus der Wetterau
	        
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