Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

IV. Materia medica und Toxikologie, 41 
sten Morgen wurde eine gleiche Gabe genommen, worauf das 
Fieber später eintrat und schneller verlief. Am Abende wurden 
nochmals 2 Gaben wie die Tags vorher und am folgenden Morgen 
abermals eine solche verbraucht. Das Fieber blieb darauf aus 
und kehrte auch nicht wieder, obgleich das Salicin nicht fort- 
genommen wurde. So gross die genommenen Gaben auch 
waren, 8o stellte sich doch weder Drücken auf der Brust, noch 
sonst eine Nebenwirkung ein. Vielmehr beförderte das Salicin 
die Verdauung und wirkte als: Stomachicum. Während mehrere 
Aerzte dies Mittel mit dem besten Erfolge anwendeten, wovon 
sogleich etwas Näheres angegeben werden soll, und während es 
besonders in Paris viel geleistet, hat es den Erwartungen Anderer 
nicht entsprochen. Der Grund hiervon ‘lag wohl darin, theils 
dass das Salicin nicht für alle scheinbar ähnliche Fälle passt, 
theila dass man zu kleine Gaben verschrieb. Soll es nämlich 
als Fiebermittel helfen, so muss es in noch ein Mal so grossen 
Gaben als das Chin. sulph. verordnet werden. Es bringt in 
solchen Gaben nicht allein keinen Nachtheil, sondern ist auch 
wohlfeiler, als das Chinin, und wäre es dies auch nicht, se 
bliebe das Geld dafür doch im Vaterlande, während das für die 
China nach Amerika geht. MerK in Darmstadt, der das Salicin 
und andere Pflanzenbasen eben so schön und rein, als billig 
liefert, hat 3 der ausgezeichnetsten Aerzte Darmstadts: GRAFF, 
Liyz und StrGmAyeER zu Versuchen mit‘ diesem neuen Mittel 
veranlasst. Die Beobachtungen des KErsteren haben wir schon 
früher mittheilen können (vergl. Summarium 1832, Band I, 
Nro. 269. — Lınz gab es nicht nur bei intermittirenden Fie- 
bern und heilte diese damit eben so schnell, als mit Chinin und 
ohne dass danach, ausser bei Diätfehlern, Recidive eintraten, 
sondern er benutzte es auch, wo Roborantia angezeigt waren, 
besonders bei Schwäche in den Verdauungswerkzeugen ohne ma- 
terielle Ursachen. Vorzüglich wirkte es da, wo die Zunge rein 
oder nur weisslich belegt war, die Esslust nicht ganz fehlte, 
aber Speisen, selbst die leichtesten, Aufgetriebenheit des Ma- 
gens und Vollheit des Unterleibes bewirkten. Auch nützte es 
bei chronischem Husten nach fieberhaften Brustkrankheiten, so 
wie bei einer anhaltenden Diarrhöe von reiner Schwäche. Es 
wurde übrigens von Krwachsenen und Kindern gut vertragen, 
da es nicht erhitzt, sondern rein stärkend wirkt. — STEGMAYER 
beobachtete, dass das Salicin in Verbindung mit Tarf. emet. in 
kleinen Dosen eben so sicher und schnell das Wechselfieber ver- 
trieb, wie das schwefelsaure Chinin in gleichen Dosen, es 
mochte nun das Fieber rein, oder mehr larvirt auftreten. Nächst- 
dem war es bei schleichenden Fiebern mit Colliquationen, bei 
hohen Graden von Erschlaffung und übermässiger Absonderung 
in den Schleimhäuten der Lunge und des Darmkanales hülf- 
reicher , als das Chinin. Gewiss verdient es in Krankheiten der 
angegebenen Art da, wo, wie z. B. bei jüngeren Subjecten, sich
	        
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