Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

12 Il. Pathologie, Therapie und medieinische Klinik, 
man in den grössern Lungengefässen etwas dickes, schwar- 
zes Blut wahr, und nie zeigte sich bei einem in der Akme Yer- 
storbenen das Vortreten des schäumigen mit Luftblasen gemeng- 
ten Blutes, wenn man in die Lungen einschnitt, was an andern 
Leichen so oft vorkommt und zu der Annahme führt, dass das 
ohnehin dicke Blut nicht mehr in die feinsten Verästelungen der 
Lunge gelangen kann. Hierauf gründet DieFFENRACH die KEr- 
klärung der s. g. Vox cholerica, da jedoch die Heiserkeit schon 
wahrgenommen wird, wenn die peripherische Circulation nur 
erst wenig und der kleine Kreislauf des Blutes durch die Lun- 
gen scheinbar noch gar nicht gelitten hat, so möchte diese Er- 
scheinung wohl mit. mehr Recht einer dynamischen Ursache, 
nämlich der gestörten Nerveneinwirkung, zuzuschreiben seyn. — 
Die Erscheinungen der gelähmten blutbewegenden Kraft geben 
sich übrigens bei Lebenden sowohl, wo selbst die grossen Ar- 
terien der Extremitäten blutleer gefunden wurden, als bei Se- 
ctionen hinreichend kund. Gehemmte Bewegung des Blutes aber 
und gestörte Entkohlung in den Lungen begründen vollkommen 
die Entmischung desselben. Wie daher antangs die mehr wäs- 
serigen Bestandtheile desselben durch Brechen und Purgiren 
entleert werden, so verräth in den Leichen sich die weitere 
Entmischung des Blutes durch Ausscheidung des Faserstoffes, 
der oft in Form grosser polypöser Concremente die Herzventri- 
kel, besonders den rechten, fast ganz auskleidet. Dass man den 
Faserstoff am leichtesten aus dem Bliute scheidet, wenn man es 
frisch anhaltend mit dünnen Ruthen agitirt, ist bekannt. Kin 
ähnlicher Process bedingt vielleicht auch in der Cholera diese 
Erscheinungen. Das immer mehr gelähmte Herz kann den Blut- 
strom nicht mehr forttreiben, während seine schwachen Con- 
iractionen noch ein gleichsam im Stagniren begriffenes Hin- und 
Zurückwallen des Blutes im Herzen und im Anfange der grossen 
Gefässe zu Wege bringen, wodurch der Faserstoff sich zunächst 
an die Fleischbündel der Ventrikel setzt und endlich letztere 
fast ganz ausfüllt. Allerdings ist diese Erklärung sehr mecha- 
nisch, doch ist, wo dieser Vorgang Statt findet, die Lebens- 
kraft schon so gesunken, dass der dynamische Widerstand gegen 
Angriffe der allgemeinen physisch-chemischen Gesetze nur höchst 
gering ist. — Die mehr und mehr erlöschende Energie des 
zanzen irritablen Systems zeigt sich endlich auch im Nahrungs- 
canale. Tenesmus und Kolikschmerzen fehlen ganz und was 
entleert wird, geht ohne alle Anstrengung ab, ja wird gewisser- 
maassen ausgeschüttet. Schreitet das Daniederliegen der Lebens- 
kraft weiter vor, so hören auch diese Ausschüttungen auf. Meist 
sessirt zuerst das Brechen, wenn auch der Magen mit Flüssig- 
keit überhäuft ist, und die Ausleerungen durch den After finden 
nur gleichsam mechanisch noch einige Zeit Statt. Dass die 
Stuhlausleerungen durchaus nicht fäculent sind, keine Galle ent- 
halten und keinen Geruch haben, ist bekannt, auch ist wohl die
	        
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