Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

398 1M. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
nern mehrere Mittel im Hause zu haben, deren Gebrauch kurz 
angegeben wird: Opiate, reizende, nervenstärkende Mittel, Senf- 
teig, heisse Luftibäder; zuletzt wird noch befollen, dass die 
Fälle von Erkrankung, Genesung und Tod genau einer benann- 
ten Magistratsperson angezeigt werden. (B.) 
329. Ansichten über die Cholera; vom Reg. Med. 
Rath Dr. Aısers zu Berlin. Es ist neuerlich schon mehrfach 
bestimınt ausgesprochen worden, dass die erweislich von, Ost- 
indien zu uns gekommene Cholera mit derjenigen, die oft im 
Sommer und Herbst, meist sporadisch, vorkommt, ihrem Wesen 
nach in keiner Beziehung steht. Beide haben einen gemein- 
schaftlichen Namen, zeigen häufige Entleerungen durch Mund 
und Alter, verlaufen sehr schnell und rufen schon nach wenigen 
Stunden, auch bei den Kräftigsten, die höchste Schwäche her- 
vor, nur dass die asiatische Cholera eben so oft tödtlich endigt, 
als bei der europäischen dieser Ausgang selten ist. Liesse da- 
her auch anfangs Name und scheinbare Aehnlichkeit der Sym- 
ptome eine Verwandtschaft beider vermuthen, so lehrt doch eine 
nähere Bekanntschaft mit beiden ihre wesentliche Verschieden- 
heit. Die europäische scheint auf einer katarrhalisch- 
rheumatischen Affection des Darmkanals, die asia- 
tische auf einer Paralyse der Centralorgane des ge- 
sammten irritablen Systems zu beruhen. — Das wässe- 
rige Secret, das in beiden im Magen und Darmkanale in ver- 
mehrtem Maasse dargestellt und durch Brechen und Purgiren 
entleert wird, ist nicht nur hinsichtlich seiner Bestandtheile in 
beiden sehr verschieden, sondern hat auch sehr verschiedene 
Ursachen. Die europäische ist eine wirkliche Brechruhr, bei 
der der Darmkanal als irritable Röhre ergriffen und mit convul- 
sivischer Bewegung eine allgemein vermehrte Absonderung ver- 
knüpft ist, daher nicht nur die Blutmasse ihre wässerigen Be- 
standtheile abgiebt, sondern auch zugleich ein reichlicher Gal- 
lenerguss erfolgt. Bei der asiatischen findet sich dagegen dieser 
Erguss von Flüssigkeiten in Magen und Darmkanal nur deshalb 
vor, weil durch den Krankheitsprocess die unmittelbare Zer- 
setzung der gesammten Blutmasse zu Wege gebracht wird und 
diese hier zunächst ihre wässerigen, Iymphatischen Bestandtheile 
ausscheidet. Deshalb sind die entleerten Flüssigkeiten bei der 
Brechruhr wässerige, schleimige Flüssigkeiten und Galle, bei 
der Cholera Lymphe und Eiweiss: unmittelbar aus dem Blute 
ausgeschiedene Bestandtheile desselben. Bei letzterer fehlt die 
convulsivische Bewegung des Darmkanales, die in ersterer den 
reichlichen Gallenerguss bedingt, weshalb auch bei Brechruhr 
das Brechen so anstrengend ist, während bei Cholera die Flüs- 
sigkeiten gleichsam nur ausgegossen werden, Bei Brechruhr 
sind übrigens die stets galligen und fäculent riechenden Aus- 
leerungen im Verhältnisse zum heftigen und anhaltenden Drange 
zur Leibesöffnung meist nicht reichlich, bei Cholera hingegen
	        
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