Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 397 
systems begründet sey, scheint aus mehreren Gründen nicht 
haltbar. Denn in allen Krankheiten, wo die Nerven vorzugs- 
weise leiden, wären es anch zunächst die der Vegetation vor- 
zugsweise vorstehenden, leiden auch die der höhern Sphäre, die 
Gehirn- und Sinnesfunctionen; bei der Cholera ist dies weniger 
der Fall, Ferner würden die mit einem beweglichen und weni- 
ver energischen Systeme Begabten eine grössere Disposition als 
audere zur Cholera verrathen, was wiederum durch die Erfah- 
rung nicht bestätigt wird. Dagegen sind eigenthümlich zur Cho- 
lera disponirt alle die, deren Magen und Darmkanal durch Trunk, 
schlechte Nahrungsmittel, Krankheiten und dergleichen geschwächt 
sind. Hier ist deshalb das Atrium morbi zu suchen. Schwindel, 
Schwäche, Ohrenklingen, als Vorläufer der Cholera häufig an- 
gegeben, sind keine Gegenbeweise, denn dasselbe findet Statt 
bei Trunkenheit und Einführung narkotischer Stoffe in den 
Magen. Der Magen also und der Damtmkanal soll der Sitz der 
Causa proxima seyn, welche in einer giftartigen Secretion der 
Schlieimdrüsen besteht. (In Uebereinstimmung des deutschen, in 
Siam und Malacca prakticirtchabenden Arztes Dr. Braun. Siehe 
Salzb. medic. Zeit., 1831, Nr. 90 sqq.) Die Secretion ist durch- 
aus nicht serös, wie gewöhnlich angegeben wird; mit heissem 
Wasser untersucht würde sie wohl schwerlich irgend einen Theil 
Eiweiss gezeigt haben, wohl aber eine schleimige Beschaffenheit. 
Auch die Untersuchung des Blutes ist noch oberflächlich; die 
ölige und therartige Natur desselben kann nicht von einem Man- 
gel an Serum hergeleitet werden. Die giftartige Ausscheidung 
nun soll zuerst auf die Nerven des Magens und der Eingeweide 
wirken, hierdurch, oder durch Aufsaugung des Giftes wird das 
Gefässsystem mit ergriffen und das Blut verändert. Aus dieser 
hypothetisch angenommenen Causa proxima sollen sich nun alle 
Symptome der Krankheit erklären und die Indicationen eines 
rationellen Heilverfahrens herleiten lassen, welche darin bestehen: 
1) das Gift zu entfernen, durch die Magenpumpe, die gleich 
bei dem ersten Zeichen, Schwindel, Schwäche, Uebelkeit an- 
zuwenden sey; auch Injectionen durch den Mastdarm sollen mit- 
wirken; als Aushülfe dienen die Brechmittel; 2) das Gift un- 
wirksam zu machen; dies soll geschehen, indem man den Schleim 
unauflöslich macht, durch Weinessig 3j, Wasser 36%, Alaun 
5ı— 56, Laudan. gutt. x; aller 10 Minuten zu nehmen. Die 
Mineralsäuern würden dasselbe, vielleicht noch mehr wirken; 3) 
den Organismus zur Ertragung des Giftes in den Stand zu setzen: 
Blutentziehung , um das Herz zur freiern Thätigkeit zu bringen, 
äussere Reizmittel und dergleichen sollen dies bewirken, — Die 
Verordnung des Adinburgh board of health (p. 535.) 
nimmt einen gemischten Ursprung der Cholera an; ermahnt zur 
Genügsamkeit und Reinlichkeit, ordnet die Eröffnung von Spi- 
tälern und die Einrichtung von Hülfbüreaus mit Wächtern, Me- 
dicamenten und Erhitzungsapparaten an und räth den Kinwoh-
	        
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