Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

IH. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 395 
gehemmt werde; daraus entsteht ein grösserer oder geringerer 
Grad von Fieberfrost. Wirkt der schädliche Stoff nicht so hef- 
tig ein, dass die Nervenkraft eine längere Zeit suspendirt werde, 
go stellt sich eine Reaction ein, und so entwickelt sich eine 
Abwechslung zwischen Oppression und Reaction. Bei übermäs- 
sig starker Schädlichkeit oder ausserordentlicher Schwäche der 
Nervenkraft hält die Periode der Oppression fortwährend an, 
die Oberfläche des Körpers bleibt kalt, das Blut zieht sich mehr 
nach den innern Theilen zurück und diese gefahrvollen Conge- 
stionen können die Functionen der wichtigsten Organe unter- 
drücken und dem Leben ein Ende machen, ohne dass sich eine 
Reaction entwickelt. Dergleichen Congestionen bringen nun’ in 
der Cholera die grösste Gefahr, und die Hauptsache bleibt die 
Circulation in den Gefässen an der Oberfläche wieder herzu- 
stellen. Die besten Mittel bleiben ein heisses Luftbad und eine 
gelinde aber fortgesetzte Anwendung des Galvanismus; letzterer 
kann auch als den Nerveneinfluss ersetzend, vorzüglich in Bezug 
auf Wärmeentwickelung betrachtet werden, nur darf nicht durch 
Schläge, sondern nach der einfachen und geistreichen Art, wie 
sie Kump empfohlen, der Galvanismus in Anwendung gezogen 
werden. Nun hat TwEEvALE die Ansicht, dass eine Schwäche 
der Nervenkraft, wie in allen Krankheiten durch Ansteckung, 
so auch in der Cholera das hauptsächlichere Moment für die 
Entwickelung der Krankheit gebe, und deshalb schlägt er wie- 
derholt den Galvanismus, die gesunkene Kraft zu heben, vor. 
Mit TwegpaLeE in Uebereinstimmung macht ein Anonymus (Ae- 
seulapius, Lond. med, gazelte, pag. 510) auf die Versuche von 
Use und Wırson Paımıp mittelst Galvanismus die schlummernde 
Nervenkraft zu erwecken oder zu ersetzen in Bezug auf die 
Cholera aufmerksam, nur will er, dass man ihn auf die bloss- 
gelegten Nervenzweige des Sympathicus und Pneumogastricus an- 
wende. — Ueber die Behandlung der Cholera mit 
besonderer Rücksicht auf die Anwendung von Senf, 
als Brechmittel; nach Dr. Linosex, p. 519. an d. Central- 
Board of health. Da die spasmodische Cholera mit Ausnahme 
einiger wenigen Fälle Vorläufer, vorzüglich Durchfälle, zeigt, 
so ergiebt es sich von selbst, dass auf letztere besonders bei 
einer Epidemie Rücksicht genommen werden müsse, und Sie 
werden in den meisten Fällen durch Brechmittel beseitigt wer- 
den können. Zu Sunderland versuchte L. im Beginn der Krank- 
heit den Senf als Brechmittel, welcher von Gisson schon em- 
pfohleii, jedoch von den Aerzten nicht in Anwendung gebracht 
worden war. L. liess 2 Drachmen Senfpulver in ungefähr 3 bis 
4 Unzen Wasser auf 1 Mal nehmen und nach Umständen diese 
Dosis repetiren, später aber von derselben Mischung als Reiz- 
mittel aller 2 Stunden 1 Kaffee- bis Dessertlöffel brauchen. Die 
Wirkung war ausserordentlich günstig, wenn der Magen seine 
Vitalität noch nicht verloren hatte, besonders wurde nach dem
	        
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