Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

ill. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 398 
Erfolg zu haben. 2) Bei der mildern Form zeigt sich allein 
wirksam die Blutentziehung und die Anwendung äusserer Reiz- 
mittel; ein rationelles Heilverfahren ist für die Cholera noch 
nicht gefunden. — JosısH Auısor, über die Art der Ver- 
breitung der Cholera (Suplem. Nr., Vol. IX, pag. 494 
—499). Der Gang, den die Ansichten über die Verbreitung 
der Cholera nahmen, zeigt vieles Bemerkenswerthe. Die An- 
sicht, dass die Cholera spasmodica wie die gewöhnliche durch 
atmosphärische Einflüsse sich entwickele, ward bald als un- 
zureichend erkannt; ebenso die Annahme einer Malaria als en- 
demische Ursache. Die Contagiosität, welche durch Mancherlei 
bewiesen zu werden schien, ward von der Majorität der briti- 
schen Aerzte in Indien verworfen; sie ward wieder aufgenommen? 
bei dem Fortschreiten der Krankheit über Europa, wozu die 
Verschiedenheit des Klimas und das durch keinen Frost auf- 
gehaltene successive Vorwärtsgehen vorzüglich mit beigetragen 
haben mögen. Die meisten europäischen Aerzte waren Contagio- 
nisten, jedoch gewöhnlich nur so lange, ale sie die Krankheit 
nicht selbst zu beobachten Gelegenheit hatten. Es bildete sich 
nun eine vermittelnde Ansicht aus, welche die Contagion nur 
bedingt annahm. So ist zwar manche Schwierigkeit rücksicht- 
lich der Erklärung über die Verbreitung beseitigt, allein die 
Frage nicht gelöst, wie die Verbreitung beschränkt werden 
könne. Das Sperrsystem hat sich unzureichend und verderblich 
gezeigt. Es wird num in kurzem Auszuge der bekannte Gang, 
wie die Cholera von Bakı bis Moskau sich verbreitet, mitge- 
theilt und daraus der Schluss gezogen, dass Manches für die 
Contagiosität, Manches gegen dieselbe spreche. In Bezug auf 
letzteres wird besonders die schnelle und allgemeine Verbreitung 
der Krankheit angeführt. Von Baku bis Moskau durchlief sie 
in ungefähr 12 Wochen 1100 englische Meilen. Hierzu kommt 
noch, dass, nimmt man Ansteckung an, bei der Schnelligkeit 
und Grösse der Verbreitung verhältnissmässig nur Kinzelne der 
Ansteckung sich wirklich aussetzen. Auch sind die Beispiele 
von Uebertragung von Kranken auf Gesunde bei genauerer Prü- 
fung nicht gehörig und nur oberflächlich constatirt, so: dass man 
nicht behaupten kann, es wäre schon bewiesen, dass die Cho- 
lera contagiös sey, und annehmen könne, sie habe sich als 
solche auf dem gegebenen Striche verbreitet, A. kommt zu dem 
Schlusse, dass die Annahme der Contagiosität zur KErklärung, 
wie die Krankheit sich verbreite, nicht ausreiche und keine der 
Schwierigkeiten löse, die sie lösen soll. Die verhältnissmässig 
kurze Dauer der Cholera in den Städten wird für den Contagio- 
nisten z. B. nur erklärlich dadurch, dass er Einflüsse annimmt, 
welche eben so kräftig als sein Contagium die Opfer vorher zur 
Krankheit disponirten. (Die Fortsetzung dieses Aufsatzes wird ver- 
sprochen.) — James HosnruoK, über die Natur und Be- 
handlung der bösartigen Cholera. (Loc. cit.. 499 —
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.