Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

Il. Medicinische Physik und Chemie. 391 
hellste arterielle verwandele; dies wäre, meint Sr., seine Ent- 
deckung. Auch habe er in einer Abhandlung (dem College of 
Physicians eingesendet) die Meinung ausgesprochen, dass die 
Neutralsalze im Blute die wahre Ursache der arteriellen Färbung 
seyen, die natürliche Farbe des Blutes aber wäre die schwarze. 
Im gelben Fieber würde nun im letzten Stadium durch den Ver- 
lust an Neutralsalzen das Biut schwarz, durch den Zusatz aber 
von irgend einem Neutralsalze könne seine wahre Tintenfarbe 
in arterielle Farbe umgeändert werden. So soll auch Alles, was 
die Neutralität der salzigen Bestandtheile zersetzt: Säuern, Al- 
kalien, Elektricität, das Blut vollkommen schwarz färben. Der 
Einwurf, dass Soda das Blut im gelben Fieber nicht geröthet 
habe, sey nur ein scheinbarer und ungegründeter, denn Alkalien 
röthen nicht, sondern schwärzen das Blut (die Kohlensäure ist 
übrigens nach Sr.. auch mit die Ursache der venösen Färbung). 
Seine Behandlung bestand in dem Verordnen einer saturirten 
Auflösung von Kochsalz mit Nitrum; der Erfolg, sagt er, wurde 
selbst von seinen Gegnern eingestanden und seine Curmethode 
mit Nutzen befolgt. Nach seinem Besuche auf Trinidad seyen 
unter Einführung seiner Behandlung in 20 Monaten bloss acht 
Soldaten gestorben, von denen drei lungensüchtig waren, die 
fünf andern.aber am Tage ihrer Aufnahme in das Spital starben. 
Während Srt.’s Aufenthalte zu Trinidad wurden im ersten Monate 
40 bis 50 Fieberkranke in das Spital aufgenommen, alle mit 
Kochsalz und Nitrum behandelt, drei starben und alle übrigen, 
so viel er weiss, genasen. Die salzigen Mittel befördern alle 
Secretionen, besonders die der Nieren, reizen den Magen nicht, 
verhüten die Auflösung des Blutes und beseitigen so die Gefahr. 
Wenn sie in den ersten 24 Stunden in Anwendung gezogen wer- 
den, so soll kaum einer sterben; war die Krankheit schon wei- 
ter ausgebildet, so wurden dennoch verhältnissmässig sehr viele 
gerettet. Die drei Fälle, welche als Beweis für die Unzuläng- 
lichkeit der Srtevens’schen Behandlung anderweitig, angeführt 
worden sind, ‚können hier nicht als gültig anerkannt werden; 
denn es waren drei bekannte Säufer, welche an einem entfern- 
tern Orte krank geworden, während der grössten Hitze gegen 
die Strahlen der Sonne ungeschützt, und zwei noch dazu ster- 
bend, in das Spital gebracht wurden. Zwölf Stunden nach dem 
Tode fand sich das Blut in einem aufgelösten Zustande und 
schwarz von Farbe. Nun kann im gelben Fieber der Tod auf 
doppeltem Wege erfolgen: 1) Durch eine Störung im Gehirn oder 
an einem anderen edien Organe, während der heftigen Aufregung 
in dem ersten oder entzündlichen Stadium; 2) wird dies über- 
standen, durch den völlig veränderten Blutzustand. Daher ist 
es kein Gegenbeweis gegen STEveEns und seine Ansicht über das 
Wesen und die Behandlung des gelben Fiebers, wenn Menschen, 
bei welchen der Tod auf dem ersten Wege eintrat, die Verän- 
derung des Blutes nicht im bedeutenden Grade darstellen. Die
	        
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