Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

I. Anatomie und Physiologie. 389 
übrigen Häute waren fester und derber als sonst, die Gefässe 
hlutleer; die Leber und andere Bauchorgane waren in jeder 
Hinsicht normal beschaffen; der Darmkanaı zeigte weder eine 
Invaginatio noch eine Verengerung, enthielt auch keine Würmer; 
aber aus der Brust-Aorta entsprang, ausser den Arterüs thoracicis, 
an ihrem untern Dritttheile noch ein Arterienstamm, der, nach 
den in der linken Brusthöhle liegenden Därmen verlaufend, sich 
in 2 Zweige, gleichsam eine Mesenterica super. und irfer., spal- 
tete; unmittelbar unter dem Zwerchfelle gingen die beiden Ar- 
teriae phrenicae zu denselben ab; hierauf entsprangen noch 2 
nicht unbeträchtliche Gefässe aus dem Stamme der Aorta, deren 
linkes zur grossen Curvatur und Milz, das rechte aber zur Le- 
ber, zur kleinen Curvatur und zum Pylorusende des Magens ver- 
lief; die übrigen Gefässe und Nerven des Unterleibes waren 
normal. — MHernia diaphragmatis (ein solcher Fall war der 
vorliegende), nennt man diejenigen OÖrtsveränderungen der Or- 
gzane, welche in einem Austreten derselben aus der Bauch- in 
die Brusthöhle, oder umgekehrt, bestehen; sie sind häufiger an- 
geboren als erworben, und kommen , wahrscheinlich wegen der 
Lage der Leber, öfter auf der linken als auf der rechten Seite 
vor; dass der vorliegende Fall eine angeborene Hernia diaphra- 
gmaltis gewesen sey, scheint ans der widernatürlichen, mit tendinö- 
sen Rändern (als Beweis, dass das Zwerchfell hier nie vor- 
handen, sondern unvollkommen entwickelt worden sey;) umge- 
benen Zwerchfellsöffnung, aus den regelwidrig von der Brust- 
aorta zu den in der‘ linken Brosthöhle liegenden Därmen ab- 
gehenden Gefässen und aus der wegen Mangels an Raum und 
erlittenen Druckes von den Gedärmen verkümmerten linken 
Lunge, hervorzugehen; in unserm Falle lagen die Gedärme frei, 
nicht von einem Bruchsacke umschlossen, in der Brusthöhle; 
was häufig, jedoch nicht immer der Fall ist. Es scheint dieser 
Bildungsfehler in einem Stehenbleiben auf einer niedern Stufe 
des Fötallebens begründet zu seyn, wo Bauch- und Brusthöhle 
noch nicht von einander geschieden sind, wie dies bei manchen 
niederen Thieren, z. B. den Reptilien, als regelmässige Bildung 
vorkommt. — Die Diagnose ist in solchen Fällen, wegen Man- 
gels einer äusserlichen Geschwulst, und anderer charakteristischer 
Symptome, ausser grösseren oder geringeren Störungen des 
Athımens und der Verdauung, sehr schwierig. [Siebold’s Journ,, 
Bd. XIT, St. 1.} (L—t.) 
825. Nichtkreuzung der Sehnerven. Hr. Ozanam, 
Arzt am Hötel- Dieu zu Lyon, hat mittelst eines nenen Mikro- 
skopes, welches die Gegenstände so vergrössert, dass die Sch- 
nerven einen Umfang von 18 Zoll zu haben scheinen, geschen, 
dass die beiden Nervenstränge durch eine überaus feine Haut 
getrennt werden, die ein Theil der harten Hirnhaut ist, welche 
diese Nerven begleitet.‘ Sie bildet eine Art Sack, welche mit 
einer weissen, wie Ralım fliessenden Marksubstanz erfüllt ist;
	        
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