Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

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kreas und ein grosser Theil der Gedärme in der Brusthöhle 
lagen; diese Lagenveränderung scheint hier theils durch das 
Fehlen eines Theils des Zwerchfelles und theils durch die über- 
mässig vergrösserte Leber, welche Abweichungen als ein Zurück- 
bleiben auf einer niederen oder einer früheren Zeit angehörigen 
Bildungsstufe betrachtet werden dürften, herbeigeführt worden 
zu seyn. Aehnliche seltene Fälle hinsichtlich der unvollkomme- 
nen Bildung des Zwerchfelles führen IseEnrLAMM, OpHELIUS, Wıns- 
LOW, BürrnerR, VETTER, hinsichtlich der abnormen Lage des 
Herzens in der rechten Seite ELvert, MoHREenHEIm, BoERHAVE, 
WaLTER, an. Dass der Magen bei fast allen Beobachtungen 
dieser Art in der linken Seite gefunden wurde, erklärt sich wohl 
aus der seinen Eintritt in die rechte Seite verhindernden Lage 
der Leber, und aus seiner eigenen mehr nach links hin 
gerichteten. — Die Erfahrung hat gezeigt, dass solche ver- 
kehrte Lagenverhältnisse den Organismus keineswegs nothwendig 
zum Leben unfähig machen, dass vielmehr Individuen der Art 
ınehrere Jahre gelebt, ja selbst ein hohes Alter erreicht haben, 
wo es dann allerdings zweifelhaft bleiben kann, ob diese Abnor- 
mitäten nicht vielleicht erworbene waren. — IL Louis P., 
leicht und ohne alle Kunsthülfe von seiner Mutter geboren, war 
als Säugling des Nachts sehr unruhig und brach Muttermilch 
und Speisen fast immer wieder aus. Ohne die gewöhnlichen 
Kinderkrankheiten zu überstehen wuchs er heran, zahnte leicht 
und litt nur hin und wieder an jenem Erbrechen; die Mutter 
will besonders des Nachts öfters ein Kollern und Poltern in sei- 
nem Leibe gehört haben; er hatte stets Hunger, ass aber wenig, 
trank jedoch viel, hatte regelmässige nur mehr weiche Stuhl- 
ausleerung; mitunter litt er an Athmungsbeschwerden, ohne dass 
diese seine Munterkeit und seine kindlichen Spiele gestört hät- 
ten, doch war er immer sehr eigensinnig, reizbar und oft mehr 
in sich gekehrt, bei zartem mehr dürftigem Körperbau, seine 
Gesichtszüge eingefallen, die Augen tiefliegend, der Blick matt 
und kränklich, ohne dass sich jedoch eine Spur von Würmern 
gezeigt hätte. Als im Juli 1830, im 7%. Lebensjahre des Knaben, 
das Erbrechen bis zur Erschöpfung heftig wurde, verlangten die 
Eltern zum ersten Male ärztliche Hülfe dagegen. Der Verf. 
fand den Knaben ermattet im Bette liegend, mit kalten, schweiss- 
bedecktem Haupte und Gliedern‘, fast geschlossenen Augen; 
öffnete er sie, so war der Blick matt und die Augensterne nach 
oben gerichtet; die Gesichtszüge mehr als gewöhnlich verfallen; 
der Athem schwach, Puls nicht sehr frequent, klein und weich; 
der Leib eingefallen, wenig schmerzhaft bei der Berührung. Er 
lag ruhig da, klagte über Kopf- und Leibschmerz, hatte wie 
immer Neigung zum Trinken, wenig Appetit, stark belegte Zunge; 
gab alles, was er zu sich nahm, bald wieder unter heftigen Wür- 
zen und Erbrechen, bisweilen mit Convulsionen von sich; seit 
= Tagen war er verstopft. Nachdem wegen Verdachts einer 
7 WE ME A an 
[. Anatomie und Physiologie.
	        
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