Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

374 IV. Chirurgie und Augenheilkunde. 
jes Plexus brachialis gegangen, ohne die Vena oder Arteria 
subelavia zu verletzen. Nun aber ging ihre Spur verloren. 
Vergebens suchte man sie im Halse, in der Schulter und im 
Rücken; erst im :oberen Theile der Brust, gegen den durch 
Widerstand des Schlüsselbeins die Kugel gewendet worden war, 
entdeckte man wieder ihren Gang. Man sah nämlich am inne- 
ren Rande der ersten Rippe eine Oeffnung in der Pleura, die 
zur rechten Brusthöhle führte, in welcher man gegen 12 Un- 
zen schwarzes, theilweise geronnenes Blut wahrnahm. Auf dem 
Boden dieser Cavität lag die Kugel frei auf dem Zwergfell auf. 
Sie hatte an einer Seite ihre Rundung verloren und war noch 
mit Knochentheilchen der Clavicula überzogen. In der rechten 
Brusthöhle waren Spuren einer acuten Entzündung nicht zu ver- 
kennen, während die linke Seite der Brust einige alte Ver- 
wachsungen der Pleura pulmonalis und costalis zeigte. Alle 
übrigen Organe waren gesund. Der Verwundete starb somit 
einzig an den Folgen der Wunde und besonders an den Wir- 
kungen, die eine freie Kugel in der Brust hervorbrachte, indem 
sie nämlich auf dem Zwerchfell lag und dasselbe entzündete. 
[v. Froriep’s Notizen, Nr. 14.) (K— e.) 
312. Zur Lehre vom Krebs; vom Dr. HANMANN ZU 
Rostock. Eine nicht unwichtige Ilymphatisch - cancröse Entartung 
einiger Unterleibsorgane bei einer Frau bot folgender Fall, der 
der neueren Annahme eines venösen und I1lymphati- 
schen Krebses factisch das Wort redet: Kin unverheirathe- 
tes, 57jähriges, in höchster Dürftigkeit lebendes Frauenzimmer 
von abgezehrtem, schlaffem, venösem Habitus, das um ihr zwan- 
zigstes Jahr einmal geboren hatte, früher nie krank gewesen 
war und bis zur gewöhnlichen Cessionszeit der Katamenien die- 
zelben regelmässig gehabt hatte, suchte, schon längere Zeit 
krank, ärztliche Hülfe, Man fand sie mit erhöhtem Obertheil 
des Rumpfes liegen, und aus Kraftmangel konnte sie sich nur 
mühsam aufrichten; die Bewegung der Arms war unsicher, 
schleudernd , die Sprache laliend. Ascites. und Hydrothorax wa- 
rer nicht zu verkennen, und zugleich zeigte sich ein vollkom- 
men ausgebildeter Prolapsus uteri sine inversione cum inver- 
sione vuginae, der nicht zurückzubringen war. Die Füsse wa- 
ren geschwollen, im Munde fanden sich Aphthen, der Durst 
war sehr gross, der Puls klein und schwach und hektisches Fie- 
ber schon mehrere Wochen zugegen. Ueber Dyspnoe, Mattig- 
keit, Angst und Schlaflosigkeit klagte die Kranke am meisten. Der 
Prolapsus uteri war von ihrer Entbindung zurückgeblieben, und 
hatte, ohne dass etwas dagegen vorgenommen wurde, jedes Jahr zu ge- 
nommen. Da der laxe Habitus die Schlaffheit der Bänder begünstig- 
te, so fiel die Portio vaginalis uteri tiefer und tiefer in die Scheide 
and trat endlich aus ihr hervee. Die Inversio vaginae wurde beim 
Heruntersteigen der Gebärmutter stärker, 80 dass Corpus und 
KFundıss uteri in der Scheide steckten, und diese bie zur inneren
	        
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