Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

IV. Chirurgie und Augenheilkunde. 3508 
Lungen verwachsene Pleura einen Riss bekommen und durch 
diesen die Luft durchgelassen hat? [Gazette medicale de Pa- 
ris, tom. IIT, Nr. 48.) (H —L.) 
8311. Merkwürdige Schusswunde. In einem Duell 
erhielt ein Officier, der wegen Verwundung des rechten Arms 
die Waffe links führen und folglich die linke Seite dem Gegner 
darbieten musste, einen Schuss in den vorderen und oberen 
Theil der linken Brust ganz nahe an der Medianlinie. Bei der 
erwähnten Stellung musste die Kugel ihren Weg durch die Brust 
fast horizontal und von vorn nach hinterwärte, so wie von der 
linken Seite nach der rechten nehmen. Diese Richtung schien 
die Kugel gegen die Schulter hinführen zu müssen, aber die 
Schulter zeigte keinen Ausweg der Kugel, die also im Kör- 
per zurückgeblieben war. Bald nach erhaltenem Schusse stell- 
ten sich heftige Schmerzen in der Brust, und besonders am 
Schlüsselbein, an der Warze und am Hintertheile derselben 
Seite, doch ohne Blutspeien, ein, der Arm und die rechte Schul- 
ter aber waren taub. Auf reichliche Blutentziehungen liessen 
nicht nur die Schmerzen nach, sondern es besserte sich auch 
der übrige Zustand des Verwundeten so, dass man an die Mög- 
lichkeit einer Herstellung glauben musste. Am 5. Tage fand 
sich jedoch nach unruhigem Schlafe Fieber ein, das Athemho- 
len wurde schwer und schmerzhaft, das Bewusstseyn wich, und 
nachdem auf der linken Gesichtsseite einige Zeichen von Läh- 
mung beobachtet worden waren, unterlag der Verwundete nach 
vierstündiger unbeschreiblicher 'Todesangst. Nach allem schien 
es, dass die Kugel, nachdem sie das Brust - und vielleicht auch 
das Schlüsselbein zerbrochen und einige Nerven des Plerus 
brachialis getroffen, sich im obersten Theile der Brust oder in 
der rechten Schulter festgesetzt habe. Bei der Section fand 
sich um das übrigens gesunde Gehirn herum und in deu Ven- 
trikeln viel Serum, auch waren die Hirnhäute stark injicirt. 
Was die Brust anlangte, so sah man auf der linken oberen 
Seite der Medianlinie vor der Gelenkverbindung des Schlüs- 
selbeins mit dem Brustbeine eine zerrissene, unregelmäs- 
sig runde Oeffnung, durch welche die Kugel eingedrungen war. 
Nach Zurückschlagung der Haut zeigte sich eine beträchtliche 
Ecchymose , die links nur einige Zolle, rechts aber eine grosse 
Stelle einnahm. Bei Verfolgung der muthmaasslichen Richtung 
der Kugel fand man den linken Theil der Basis des Brustbeins 
mit einer tiefen Rinne ausgehöhlt, den Kopf des rechten Schlüs- 
selbeins zerbrochen. und das innere Ende der Länge nach in 2 
ungleiche Stücke getheilt. Das innere kleine hing am Brust- 
beine, das äussere aus dem grössten Theile des Schlüsselbeins 
bestehende hatte unten eine 1 Zoll lang ausgehöhlte Rinne. In 
den Umgebungen des Schlüsselbeins erschienen Blut, Knochen- 
splitter und Theile der Kleidungsstücke, Als man nun der Kugel 
weiter nachspürte, ergah sich, dass sie durch den unteren Theil
	        
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