Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

LV. Chirurgie und Augenheilkunde, 3% 
der Hautfarbe. Wenn man dieselbe comprimirte, vernalım man 
eine deulliche Crepitation. Aus diesen Symptomen musste man 
auf eine Rippenfractur und auf ein in dieser Gegend ge- 
bildetes Emphysem schliessen. Doch schien nach Allem das 
Leben des Kranken nicht bedroht. Das Emphysem war nicht 
beträchtlich, beschränkte sich nur auf die linke Seite, und es 
schien, dass die inneren Organe frei waren. Bei Emplıysemen, 
wo die Infiltration nur aus einigen Kubikzoll Luft besteht, er- 
[olgt nämlich die Resorption derselben, meist leicht und schnell. 
Was die Entstehung des Emphysems im eben erzählten Falle 
anlangt, so muss man unstreitig die, dasselbe begleitende, Ver- 
letzung, als directe Ursache desselben in Anschlag bringen. Ks 
wurden ohne Zweifel Rippenbruchstücke gegen die Lungen ge- 
drängt, und diese zerrissen, doch nicht beträchtlich, die Pleura 
und vielleicht auch Lungenzellen,, woraus eine organische Verle- 
tzung der Lunge und Durchbruch der Luft gegen die Wandun- 
dungen des Thorax entstand. Die ärztliche Behandlung des 
Kranken war folgende: Man liess zwei Mal zur Ader, legte 
Compressen, welche mit einer zertheilenden Auflösung gesättigt 
waren, auf die kranke Seite und umgab den Rumpf mit einer 
festen Leibbinde. Durch letzteres Mittel sollte die Respirations- 
thätigkeit der äusseren Muskeln aufgehoben und der Kranke ge- 
nöthigt werden, nur mittelst des Zwerchfells zu athnıen, wodurch 
theils die Verwachsung der gebrochenen Rippen begünstigt, theils 
den Ursachen des. Emphysems so viel als möglich entgegen- 
rxearbeitet wurde. Dass es aber möglich ist, bloss mit Hülfe 
dieses inneren Muskels zu athmen, sieht man da, wo bei Ver- 
letzung des oberen Theiles des Rückenmarks alle äusseren Mus- 
kei paralytisch geworden sind. Dieser Behandlung folgte rasche 
Besserung. Schon nach 5 Tagen waren die Schmerzen gewi- 
chen und fanden sich selbst beim Husten nicht ein, der Aus- 
wurf zeigte keine Spur von Blut, die Infiltration war fast ganz 
verschwunden, der Puls zeigte nichts Krankhaftes, die Respira- 
tion war wenig behindert, und schon stellte sich wieder Appetit 
ein. — Anders war der Stand der Sachen bei dem zweitenKranken. 
Er war älter als der erste, von stärkerer Constitution, asthmatisch, und 
in einem Streite hatte ihn sein Gegner zur Erde geworfen und die 
Brust durch mehrere Fusstritte verletzt. Mehrere Rippen wa- 
ren dabei gebrochen und die Bruchstücke gewaltsam so nach 
einwärts getrieben worden, dass ‚sich auch die Lunge schwer 
verletzt fand. Es hatte sich ein enormes Emphysem gebildet, 
das sich anfangs schnell auf die Schulter ,. dann auf den ganzen 
Thorax und endlich auf den Hals verbreitete, der schon am 
Tage nach der Verwundung sehr geschwollen war, später aber 
nahm es sogar den Unterleib und das Scrotum ein. Dass Em- 
physeme dieser Art schon an und für sich bedenklich eind, be- 
darf wohl keiner besonderen Erwähnung. Das Uebel macht im- 
mer die raschesten Fortschritte, die Luft dringt in das Zeilge- 
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