Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

331 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
krankte an Ch. am zuerst erwähnten Tage ein 68jähriger, einige 
Tage früher wegen Hämorrhoidalbeschwerden aufgenommener 
Mann. Hierauf entwickelte sich die Seuche bei 98 Männern, 
182 Weibern und 48 Kindern; an der Ch. aber selbst leidend 
wurden 93 Männer, 131 Weiber und 8 Kinder aufgenommen. — 
Vorzugsweise zur Ch. disponirten Lungen- und Wassersuchten, 
Husten, Marasmus, Diarrhöe und Nervenfieber. Die an letzte- 
rem Daniederliegenden wurden von der Cholera meist ohne wei- 
tere erregende Ursachen ergriffen. Meist erkrankten sie wäh- 
rend des Verlaufs des Nervenfiebers, selten nur in der Recon- 
valescenz. Gleich leicht gingen auch gastrische Krankheiten in 
Ch. über. Bei einem dreitägigen Wechselfieber brach die Ch. 
in der fieberfreien Zeit aus, ohne den folgenden Anfall zu un- 
terdrücken. An Entzündungen Leidende erkrankten meist, wenn 
diese uud das entzündliche Fieber deutlich abnahmen. Zu Ka- 
chexieen gesellte sich die Seuche nicht nur im colliquativen Sta- 
dium, sondern häufig auch früher. Wo sie zu chronischen Ge- 
schwüren hinzu kam, waren diese fast durchgängig scrophulöser 
Art und die Kranken bereits sehr kachektisch, die Krankheit aber 
in der Regel hier minder heftig. Die Lustseuche schützte in 
keiner Form. Die Wassersüchtigen verloren während der Ch. 
die Wassersucht, wurde aber erstere beseitigt, so kehrte die 
letztere gewöhnlich zurück. Die Irren bekamen die Ch. sehr häufig, 
besonders weibliche. Tobsucht schien am meisten zu ihr ge- 
neigt zu machen. Auf den Seelenzustand dieser Kranken machte 
die Ch. keinen Eindruck; sie wurden im ‚Anfalle wohl etwas 
ruhiger und folgsamer, aber alle übrigen Geistes- und Gemüths- 
astörungen währten, wie früher, fort, und erholten sich die 
Kranken etwas, so trat auch der alte Zustand wieder ein. Ka- 
chektisch - schwindsüchtige Irre wurden vor anderen ergriffen, 
und die meisten an Scorbut leidenden Irren starben. Unter den 
von Ch. befallenen Schwangern gebaren 5 während des Anfalls 
todte Kinder, 2 aber während der Genesung von einem leich- 
teren Anfalle lebende, die jedoch bald an Ch. starben. Eine 
Schwangere wurde nach völliger Genesung von einem bis auf 
Augenentzündung gesunden Kinde entbunden. Bei 5 im 8. Mo- 
nate der Schwangerschaft Verstorbenen wurde der Kaiserschnitt 
gemacht, doch kamen die Kinder, von denen 2 bereits den er- 
sten Grad der Fäulniss zeigten, nicht zum Leben. Bei Wöch- 
nerinen verlief die Ch., ohne dass gerade immer die Functio- 
nen des Wochenbettes gestört wurden. Bald flossen die Lochien, 
bald hörten sie auf, erschienen aber, wenn die Ch. abnahm, oder 
auf erweichende, warme Umschläge auf die Schamgegend. Die 
Milchabsonderung war nicht vermindert. Bei den mehrsten der 
78 an Ch. erkrankten Kinder entwickelte sich die Seuche 
aus anderen Uebeln ihres Alters; nur der vierte Theil, der 
grösstentheils aus Schwächlingen bestand, wurde unmittelbar von 
Ch. befallen. Am häufigsten gesellte sich die Ch. zur Gelb
	        
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