Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

242 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Epidemie, wie sie indessen schon in früheren Zeiten, nach der 
Beschreibung einiger älteren Aerzte, namentlich des Cäumvs Av- 
RELIANUS , vorgekommen ist. Der Verf. bedauert, dass man die 
Alten nicht eher und fleissiger benutzt, denn diese Vernach- 
lässigung habe auf die Behandlung unserer Krankheit einen 
nachtheiligen Einfluss gehabt. Durch die Idee ciner eigenthüm- 
lichen, neuen Krankheit verführt, versuchte man die Heilung 
stets auf empirischem Wege, und erst nach dem schlechten Er- 
Folge dieser Behandlung wurden wissenschaftliche Regeln ab- 
strahirt. Hätte man gleich anfangs die Alten, die sich selbst 
in den heftigsten Krankheiten der einfachsten Mittel bedienten, 
gu Rathe gezogen, so würde man gewiss glücklicher gewesen 
seyn. Schon Cäurmvs (und vor diesem nach Harısss’s Berichti- 
gung schon CeLsus) bediente sich innerlich und äusserlich des 
kalten Wassers gegen die Cholera. SvYoEnHAM empfahl, eine 
dünne Fleischbrühe einige Stunden zu trinken und zu Klystieren 
anzuwenden, und erst nach Abführung der Schärfe und Ver- 
dünnung oder Veränderung derselben zu einem dünnen Darm- 
schleime kam er mit seinem Laudanum zu Hülfe, wohl be- 
merkend, dass durch frühzeitiges Darreichen des Opiums der 
Feind in den Därmen erst gleichsam recht gebunden werde, und 
dass durch Resorption einer caustischen Galle zu schweren Ner- 
venleiden Veranlassung gegeben werden könne. In einem bei 
Frankfurt gelegenen Städtchen erprobte sich SvroEnHAw’s Ver- 
fahren, ganz zufällig in Gebrauch gezogen, auf das Vollkom- 
menste. Ein über Durst klagender Cholerakranker erhielt, in 
Ermangelung eines andern warmen Getränkes, das er verlangte, 
eine dünne Fleischbrühe. Der Zustand verbesserte sich bei 
Fortgesetztem Genusse derselben, und daher ward auch seinen 
beiden, ebenfalls an der Cholera darniederliegenden, und sich 
unter Schmerzen windenden Kindern Fleischbrühe gereicht. 
Bald ward auch ihr Zustand‘ erträglicher. KErst nachdem die 
Lebensgefahr schon vorüber, erscheint der Arzt, und verordnet 
sogleich die LxEvissEuR’sche Emulsion, in welcher Bilsenkraut 
und Kampher die Hauptbestandtheile ausmachen. Da nun die 
rechte Zeit zu diesen Mitteln gekommen war, so legten sich 
die Symptome, und es trat bald die völlige Gesundk-it ein, wo- 
gegen die Emulsion bei andern Erkrankten, wegen zu zeitiger 
Darreichung , sehr nachtheilig wirkte. Hätte der Verfasser spä- 
tier Gelegenheit gehabt, das SvroDEnHAm’sche Verfahren zu ver- 
suchen, so würde er, nach seiner innigen Ueberzeugung, gewiss 
die besten Resultate erhalten haben. Dass die zu SYDENHAM’S 
Zeiten existirende Cholera nur als eine gewöhnliche, aber starke 
Brechruhr angesehen wird, kann des Verf.’s Meinung durchaus 
nicht ändern und seine Ueberzeugung nicht schwächen, weil auch 
die jetzt herrschende Cholera als eine Epidemie, wie sie schon 
früher dagewesen, zu betrachten ist. Die Krankheit ist keine 
eigenthümliche , sondern sie spricht sich nur durch verschiedene
	        
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