Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

i. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 271 
den Arzt rief, in Anwendung gezogen wurden. Wenn aber auch 
von allen so behandelten Fällen nur ungefähr der vierte Theil 
tödtlich verlief, was gegen die Sterblichkeit au anderen Orten 
ein günstiges Resultat liefert, so möchte doch diese Behandlung 
nicht allgemein zu empfehlen seyn, da Klima, Constitution der 
Kranken und andere zufällige Umstände zu viel verändern, als 
dass. überall eine Methode nützlich seyn sollte. —. Die Seuche 
herrschte ’ übrigens besonders unter den niederen Ständen der 
Europäer, Juden, Griechen und armenischen Katholiken. Weit 
weniger litten die Türken und die eigentlichen Armenier, die 
meist wohlhabend sind und gut wohnen. Dass die Krankheit 
contagiös sey, echien aus allen in Constantinopel gemachten Er- 
fahrungen nicht hervorzugehen. [v. Krorieps Notizen, 
Nr. 122, nach Erieflicher Mittheilung des Dr. W. Mac 
CaRTHY an den Herausgeber der London Medical Gazette.) 
K—e.) 
226. Die Choleraepidemie in und . Frankfurt 
an der Oder. Der Verf. dieses Aufsatzes hat sich nicht ge- 
nannt; Harıess nennt ihn aber einen als Praktiker und Schrift- 
steller gleich ausgezeichneten Arzt, wofür auch der Aufsatz selbst 
ein Zeugniss ablegt. Die Cholera brach in Frankfurt plötzlich 
den 6. September 1831 aus. Weder für das erste Erscheinen 
der Krankheit, noch für. deren weitere Verbreitung lässt sich 
ein Contagium als Ursache anführen. Im Kinderinstitute begann 
sie den 10. des genannten Monates, ohne dass man eine Ver- 
bindung mit anderen Personen auch nur vermuthen, viel weniger 
nachweisen konnte. 8 bis 10 Tage vorher hatten sich die Ma- 
sern in dem Institute eingefunden. Die Kinder lagen eng bei- 
sammen, und die unreine Luft gab bei ihnen sowohl, als auch 
bei andern in der Stadt vorgekommenen Krankheitsfällen die 
Veranlassung zur Cholera ab. Die schnelle Verbreitung der 
Krankheit über 32 Kinder und der Uebergang in die paralytische 
Form dürfte dem nicht verkennbaren grossen Einflusse der Seele 
auf den Körper, nach der Srauı’schen Theorie , theilweise zu- 
zuschreiben seyn. Die Kinder impften sich durch übermässige 
Angst die Disposition zur Cholera gleichsam ein. UVebrigens 
wurden hauptsächlich die schwächeren und schon kränkelnden 
Individuen unter ihnen ergriffen. Sehr wahrscheinlich hat im 
Allgemeinen auch die Witterung ihren Einfluss ausgeübt. Nach 
einem heissen Sommer trat ein kühler Herbst ein; der Septem- 
ber war kalt, nass und sehr regnerig, und die Erfahrung be- 
stätigt, dass durch eine solche Witterung das Gallensystem am 
meisten afficirt wird, Alle Krankheiten hatten einen gastrischen, 
galligen oder rheumatischen Charakter, und das Rheuma trat 
häufig auf den Darmkanal zurück. Mit Eintritt der besseren Wit- 
terung liess die Krankheit auch wieder ganz nach. Sowie nun 
der Verf. kein Anhänger des Contagiums ist, so hält er auch 
die Krankheit dem zu Folge für eine, aber sehr umfassende.
	        
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