Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

270 I. Pathologie, Therapie unG medicinische Klinik. 
eine eigene Hoffnungslosigkeit und Uas Gefühl der schwersten 
Leiden, die sich zum Theil auch im den Gesichtszügen aus- 
drücken; schwangere, von diesen Uebeln befallene Weiber abor- 
tiren sehr oft; auch bei der Cholera schuppt eich oft die früher 
rothe Haut kleienartig ab, und es bilden sich nach derselben 
gern Schwäre; nach überstandener Krankheit bleibt bei vielen 
eine lange dauernde Schwäche zurück; zur Herstellung ist eine 
ununterbrochene mässige Ausdünstung nöthig; gewöhnlich treten 
atmosphärische Einflüsse als ursächliche Momente auf, und man 
muss erst ein Miasma annehmen, bei hoher Intensität aber ent- 
wickelt sich später. ein Contagium; an den inficirten Orten ist 
fast niemand anzutreffen, der nicht etwas von der Krankheit 
gehabt hätte; Fremde erkranken vorzugsweise; bisweilen kommen 
Fälle vor, in denen man nicht reckt weiss, womit man es ei- 
gentlich zu thunm hat; andere Krankheiten treten zurück; Indi- 
viduen von mittlerem Alter haben, wenn sie erkranken, immer 
einen übleren Stand; die überstandene Krankheit schützt nicht 
vor einem Krkranken zum 2, oder 3. Male, und es leiden nicht 
nur Menschen, sondern auch Thiere an beiden Uebeln. [Radius’s 
allgemeine Cholera - Zeitung , Nr. 46.] (K—e.) 
225. Ueber die Cholera in Constantinopel, Der 
Ausbruch der Seuche erfolgte im Juni d. v. J., und die Krank- 
heit. grassirte mehr oder weniger heftig bis Mitte Novembers. 
Beim ersten Erscheinen des Uebels trat eine allgemeine Verwir- 
rung und Geschäftslosigkeit ein, und Jeder versah sich mit Vor- 
beugungs- oder Heilmitteln. Die Ansichten der Aerzte waren 
zuerst verschieden; man stritt, ob die Krankheit ansteckend, oder 
nicht ansteckend, ob sie die asiatische oder die einfache Cholera 
sey, und war ungewiss, welche Behandlung man einschlagen 
solle. Endlich vereinigte man sich über Namen und Natur des 
Vebels, und beugte nun ernstlich weiteren Fortschritten desselben 
vor. DLeichenöffnungen gestattete das Vorurtheil der Türken 
nicht. Was aber die eigenthümliche Bösartigkeit und die chara- 
kteristischen Symptome der ostindischen Cholera anlangt, so bot 
beide die Krankheit zu Constantinopel dar, und man erklärte 
sie also für dieses Uebel, — Wo möglich wurde immer der 
Aderlass mit den gewöhnlichen Hülfsmitteln zur Wiederher- 
stellung der Wärme und‘ des Gleichgewichtes der Circulation in 
Anwendung gezogen, und ein Aderlass am Arme von wenigen 
Unzen wirkte mehr, als jedes andere Mittel. Je‘ vorsichtiger 
man anfangs mit Reizmitteln zu Werke ging, die unter gewissen 
Umständen neben antiphlogistischen wohl nicht unpassend gege- 
ben wurden, um desto seltener zeigten sich Fälle von secun- 
därer Entzündung. Nach Beseitigung der ersten und dringend- 
sten Symptome gab man nur reichliche schleimige Tränke, und 
sorgte für Wärme und eine strenge Diät. Der Nutzen der Blut- 
entziehungen war 80 bekannt, dass sie immer schon, ehe man
	        
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