Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

268 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Kalomel wendete W. selten und nie gegen Cholera, sondern nur 
gegen Nachkrankheiten, besonders gegen Congestionen nach der 
Leber und gegen Wasserkopf an. Der Wismuthkalk leistete ge- 
gen Brecherlichkeit , wo die Cholera nicht zum Ausbruche kam, 
oder nach derseiben gute Dienste. Das Brechen stillte der 
Verf. selten, theils weil es meist nicht gelang, theile weil der 
gelungenen Unterdrückung des Brechens eine solche Angst folgte, 
dass der Kranke selbst ein Brechmittel forderte, welches, sowie 
dann, wenn ohne Nachlass der übrigen Symptome das Brechen 
von selbst aufhörte, mit bestem Erfolge gegeben wurde. Schweiss- 
treibende Mittel waren nur anfangs nützlich; später war der 
Schweiss nicht kritisch, sondern vermehrte die Beängstigung 
ohne Erleichterung zu bringen. Deshalb wurden auch Bäder 
nicht angewendet, die bei leichteren Formen nicht nöthig, bei 
schweren eher schädlich schienen. Als Getränke verlangten die 
Kranken meist kaltes Wasser, oder Wasser mit Acid. Hall., und 
gewöhnlich blieb dies auch am längsten bei ihnen. Nur wenn 
kein kaltes oder saures Getränk verlangt wurde, reichte man 
Saleptrank, oder Lindenblüthenaufguss, oder einen schwachen 
gewürzhaften Thee. [Radius’s allgem. Cholera- Zeit., Nr. 19.] 
(K—e.) 
224. Die Cholera, kein kaltes, sondern ein ex- 
anthematisches Fieber, dem Friesel verwandt; von 
Dr. TrRautzscH zu Eibenstock. Wenn auch die Meinung, dass 
die Cholera ein verlarvtes und zugleich bösartiges Wechselfieber 
sey, viele Anhänger gefunden hat, so haben doch auch mehrere 
sie wieder als mangelhaft verlassen. Eine gewisse Symptomen- 
ähnlichkeit zwischen Cholera und Wechselfieber, besonders wenn 
es bösartig ist, lässt sich allerdings nicht verkennen; was aber 
die Hauptsache, den intermittirenden Typus anlangt, der 
auch bei bloss verlarvten Wechselfiebern stets zugegen seyn muss, 
so fehlt dieser bei der Cholera. Wäre übrigens diese auch 
wirklich eine periodenhaltende Krankheit, so folgte daraus immer 
noch nicht ihre Wechselfiebernatur, da nicht jede periodische 
Krankheit, besonders unter den Nervenkrankheiten, dem Wechsel- 
fieber verwandt ist. Kin verlarvtes Wechselfieber kann mit 
Recht nur die Krankheit genannt werden, die zu einer gewissen 
Zeit des Tages erscheint und mit China geheilt wird, was hin- 
sichtlich der Cholera nicht der Fall ist. — Dagegen aber ma- 
chen es eine Menge anderer Erscheinungen sehr wahrschein- 
lich, dass diese Seuche zu den exanthematischen Krank- 
heiten im weiteren Sinne des Wortes gehöre, wie sie denn auch 
wirklich diesen von Einigen, z.B. von Hanuısss, beigezählt wird. 
Es vereinigen sich nämlich eine Menge Umstände, welche die 
exanthematische Natur der Cholera fast ausser Zweifel setzen. 
Abgesehen von den Zufällen der Cholera selbst, welche sich 
aus deni Zurücktritte einer feinen Ausschlagsschärfe von der 
äussern Haut auf die Schleimhäute, namentlich auf die des Ma-
	        
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