Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

ir 1V. Materia medica und 'Toxikologie.. 
wahrscheinlich nach. Verschiedenheit der Bereitungsart; der 
Zeit des Kinsammelns, des Standortes der Pflanze, der Tem- 
peratur und vorzüglich der verschiedenen Abarten des Mohnes, 
gefunden wurde, theilt der Verf. seine Bereitungsart des Mit- 
tels, sowie die Wirkungen desselben, die ‚er in einigen 
Fällen beobachtete, mit. Um diese letztern im Vergleiche 
zu «enen des orientalischen Opiums näher kennen zu lernen, 
verordnete er dieses und jenes abwechselnd einer an Phthisis 
tuberculosa, und einer andern an Carcinoma uteri leidenden 
Frau, und erhielt in beiden Fällen das Resultat, dass das ein- 
heimische Opium um die Hälfte stärker, als das orientalische 
wirkt, indem Ein Gran von jenem eine lindernde und beruhi- 
gende Wirkung hervorbrachte, die man erst nach zwei Gran von 
diesem bemerkte; so wie; dass die der durch orientalisches 
Opium bewirkten Betäubung gewöhnlich folgenden Symptome, 
als heftiger, wüster Kopfschmerz , trockene Zunge und Verlust 
des Appetites, nach dem Gebrauche des einheimischen Opiums 
nicht eintraten. — Die Art und Weise nun, wie der Verf. sein 
Opium gewann, beschreibt er mit folgenden Worten: „In die 
noch grünen, jedoch schon etwas Härte bekommenden Mohn- 
köpfe mache man 6—8 Tage nach dem Abfallen der Blumen- 
blätter Longitudinalschnitte mit einem scharfen Federmesser. 
Nur die äusserste Haut der Mohnkapsel darf verletzt werden, 
weil, wenn man die ganze Kapsel durchschneidet, der Milch- 
saft nicht nach aussen, sondern nach innen fliesst. Um dieses 
zu verhüten und doch schnell zu ritzen, umwickelt man die 
Klinge des Federmessers mit Leinwand, oder überzieht dieselbe 
mit Siegellack, so dass nur die Spitze von 14—2 Linien frei 
ist. Die äusserlich eich befindenden Streifen des Mohnkopfes 
müssen mit dem Messer vermieden werden, indem hier wenig 
oder gar kein Milchsaft austritt. Ritzt man die Mohnköpfe nur 
in der angegebenen Periode, eo tritt der Milchsaft schon ziem- 
tich dicklich und etwas gelblich hervor und lässt sich dann 
leicht mit einem kleinen zinnernen Gefässe, das einen nach der 
Rundung der Köpfe etwas gebogenen Rand hat, oder mit eine 
Klussmuschelschale abnehınen und in einem grössern Gefässe 
sammeln, Aus diesem wird der gewonnene Milchsaft auf eine 
Glasplatte oder einen zinnernen oder porzellanenen Teller zum 
Trocknen an einem Iuftigen, jedoch schattigen Orte gebracht. 
Flinsichtlich der Wahl dieses letztern sey man vorsichtig, da 
durch das Trocknen in einem verschlossenen Raume eine schäd- 
liche, betäubende Atmosphäre entsteht, und somit leicht eine 
zufällige Vergiftung hervorgebracht werden könnte. Das noch 
nicht völlig trockene Opium macht man in Kugeln und ver- 
schliesst dieselben in Büchsen oder Gläser mit Blase zugebunden, 
oder hebt sie in starker Rindsblase auf.“ — Der Mohn mit 
grauen oder blauen Samenkörnern giebt den meisten und besten 
Dicksaft von eiwas in’s. Gelbe apieleuder Farbe: weisser, dümer
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.