Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

204 Ill. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
keit und gesunde Nahrung. Die fast allgemein empfohlene Bei- 
mischung von Mineralsäuern unter das Getränk erklärt der Verf. 
für schädlich, denn diese bewirken Kolikschmerzen. und Durch- 
fall; nicht "einmal Citronensaft, sondern einzig und allein die 
Essigsäure, nur mässig genossen, hält er für nützlich. Brannt- 
wein ist schädlich, mindestens ganz ohne Nutzen, und der Wein 
ist wohl in so fern Präservativ, als Menschen,’ die täglich Wein 
trinken, nicht leicht scorbutisch werden, aber sind sie es, so 
bessert er nichts. Das beste Getränk für Scorbutische ist das 
Bier, sey es auch von schlechter Qualität für den Geschmack; 
wo es nicht zu haben ist, ersetzt man es durch etwas Wein in 
Wasser. Auch der Zucker ist wohlthätig und wird gut vertragen. 
Fleischspeisen werden im Allgemeinen von den meisten Aerzten 
für schädlich gehalten; dies gilt, nach N.’s Erfahrung, zwar von 
allem eingesalzenen Fleische, besonders den Fischen, auch von 
geräuchertem, allein frisch geschlachtetes Fleisch aller Art, 
Frische Fische, ferner frische Eier, selbst Milch und frische 
Butter sind wohlthätig; dagegen befördert nichts so sehr den 
Scorbut, als alte Butter, Käse und alter Talg, mit dem die 
Gemüse bereitet sind. Unter den Vegetabilien taugen weder 
frische noch aufbewahrte zur Kost für Scorbutische; dagegen 
sagen ihnen solche, welche der Gährung ihre Frhaltung und 
Frische verdanken, als Sauerkohl, eingelegte Gurken, vorzüg- 
lich zu. Unter die vortrefflichsten Diätmittel gehört ferner Senf 
mit Essig angerührt, sowie roher Honig; dagegen seh N. von 
Zwiebeln und Knoblauch stets schädliche Wirkung. — Was die 
therapeutische Behandlung anlangt, so beschränkte sich der Vf. 
Anfangs auf die Anwendung der China und der Säuren aller Art, 
des HALLER schen Sauers, der 7\nct. arom. acid., der mineralischen 
Säuren, der Ag. oxzymuriatica; allein niemals sah er einigen Erfolg 
davon. Da viele Soldaten an Brand, besonders der Füsse, litten, de- 
nen er mit überaus günstigem Erfolge Umschläge aus Vegetabilien, 
als Möhren, Runkelrüben, welche gerieben, mit Mehl vermischt, 
mit Bierhefe in Gährung gcsetzt und dann warm übergeschla- 
gen wurden, verordnete, so kam er auf den Gedanken, auch 
innerlich Bierhefe anzuwenden, und der Nutzen war so auf- 
fallend und schnell, dass er ihr eine wahrhaft specifische Wir- 
kung in dieser Krankheit zuschreibt. Selbst Kranken, die an 
Koliken und Durchfall litten, leistete sie die trefflichsten Dienste, 
ıenn beide Symptome verschwanden bald bei ihrem Gebrauche. 
Innerlich less er täglich 6, 8—12 Unzen nehmen, und ausser 
passender Diät sonst kein anderes Mittel. Sehr bald verloren 
sich danach die wesentlichen Erscheinungen der Krankheit , und 
nur. die Steifheit und Härte des Muskelfleisches , das Oedem 
der Unterschenkel, des Kniegelenkes, die blauen Flecken der 
Haut verschwanden nicht eben 80 schnell, doch besserte sich 
dies alles”nach und nach, binnen 8S—10 Tagen. — Aensserlich, 
in Form der genannten Umschläge, die Bierhefen gebraucht.
	        
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