Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

IX. Pathologie, "Therapie und medicinische Klinik. 203 
grünlichen Haut und geht schnell in Fäulniss über. Nie deli- 
rirt ein Kranker; in den grössten Qualen behält er sein Bewusst- 
seyn. Wenn es zur Besserung geht, und die steifen Glieder 
nicht brandig werden, so dauert doch diese Steifheit sehr lange 
und verbindet‘ sich immer mit Oedem. Bisweilen brechen an 
den Unterschenkeln Geschwüre aus, die flach werden, leicht 
bluten, hier und da schwammige Excrescenzen bilden; die Rän- 
der sind gezackt, bläulich, stellenweis ganz flach, stellenweis 
lippenartig nach innen gebogen; der Grund ist uneben, bedeckt 
sich leicht mit oberflächlichem Sphacelus und giebt nie . guten 
Eiter, sondern stets nur blutigen Ichor. — In Hinsicht auf die 
Aetiologie rechnet der Verf. diese Krankheit zu denjenigen, 
welche nicht nur anstecken, sondern auch freiwillig entstehen. 
Er ist deshalb nicht abgeneigt, ihre nächste Ursache in Erzeu- 
gung eines eigenthümlichen, scorbutischen Giftes zu setzen. 
Jeder Arzt, sagt er, der in ein Lazareth von Scorbutischen 
kommt, wird ergriffen; man schmeckt sogleich auf der Zunge 
den widrig scharfen Geschmack, das Zahnfleisch schwillt, und 
blaue Flecke brechen aus. Doch bleiben bei den Angesteckten 
die scorbutischen Erscheinungen nur leicht gegen die der frei- 
willig in diese Krankheit Fallenden. — Mit wenigen Worten 
gedenkt der Verf. hierauf einiger, ziemlich allgemein bekannter 
Umstände, unter denen sich scorbutische Zustände leicht ent- 
wickeln, und setzt dann kurz und bündig die diagnostischen 
Merkmale, welche das Petechialfieber und den Scorbut von ein- 
ander unterscheiden, auseinander. — Die Prognose hängt theils 
von den Umständen ab, in welchen der Kranke lebt, theils von 
den Organen, welche vorzugsweise befallen sind. Kranke, auf 
welche Kälte, verdorbene Luft, Unreinlichkeit und schlechte 
Nahrung einwirken, sind eben so wenig zu retten, als solche, 
denen die Krankheit die Lungen oder die grossen Brustmuskein 
befällt, oder bei denen sich Lungenblutstürze oder blutige Diar- 
rhöen einfinden. WUeberhaupt ist die Diarrhöe beim Scorbut 
eins der schlimmsten Symptome; weit günstiger sind Kolik- 
schmerzen mit Verstopfung. Der örtliche Brand hat zwar immer 
Verstümmelung des Kranken zur Folge, ist aber seltener tödt- 
lich; hat er seine Gränze erreicht, so stösst sich das Todte ab, 
und der Kranke bessert sich auffallend. Geschwüre sind selten 
gefährlich; ihre Heilung geht niemals von den Rändern, sondern 
von den Inseln in ihrer Mitte aus, also vom Centrum nach der 
Peripherie. Je dicker, dunkler der Urin ist, desto schlimmer, 
je mehr er sich dem normalen nähert, desto besser. Je kälter, 
trockener die Haut, desto ungünstiger, je wärmer, desto besser. 
Schweisse entstehen nie. Den unmittelbaren Tod kündigt 
die langsame, mühsame, beschwerliche Respiration an. — Die 
Cur zerfällt nach dem Verf. in die prophylaktische und thera- 
peutische; jene muss stets diese unterstützen. Zu jener gehört 
vor allen Sorge für ein warmes Lager, frische Luft, Reinlich-
	        
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