Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

{. Anatomie und Physiologie. 
Der fünfte Fall betraf eine 40jährige, verheirathete, am bös- 
artigen Typhus verstorbene Frau, deren rechtes Ovarium eine 
Sackgeschwulst bot, die ausser einem mit Haaren verbundenen, 
weissgelben Fettballen blutige Jauche und auch ein Knochenstück 
enthielt. Der sechste und unstreitig der wichtigste Fall liess 
eine Geschwulst des Eierstocks wahrnehmen, weiche ausser der 
Fett- und Haarbildung zugleich die Charaktere eines Fungus 
hydro -melanoides und hydro- medullaris zeigte. Die Kranke 
starb an Änteritig acuta mit folgender Gangraena. Vom sie- 
benten endlich wird nur kurz erwähnt, dass bei einer leberkran- 
ken Frau im kleinen Netz ein Fettklumpen mit Haaren gefunden 
wurde. — Die anatomischen Thatsachen dieser neuen Beobach- 
tungen gehen auf Folgendes zurück: Man fand in abnor- 
men Geschwülsten eine Fettmasse, welche in ihrer Mischung 
vom Fett des Zellgewebes nicht besonders abwich; man sah 
Haare, die mit ihren Wurzeln noch im Corium steckten, Talg- 
drüsenöffnungen, ein Corium, das zwischen dem der äusseren 
Hautbedeckungen und der Schleimhaut des Darmkanals in der 
Mitte stand, eine Epidermis, die an einigen Stellen fest wie 
das Epithelium der Schleimhaut des Darmkanals aufsass ; an 
andern sich aber leicht trennen liess und dem Epithelium der 
Speiseröhre, der Nasen- und Mundhöhle und der Zunge am ähn- 
lichsten war; man beobachtete Organe, welche mit Darmzotten 
oder wohl auch mit Zungenwärzchen verglichen werden konn- 
ten, Zähne von verschiedener Entwickelung, die noch in Ver- 
tiefungen des Coriums eingesenkt waren, Bläschen, aus denen 
sich wahrscheinlich Zahnkeime entwickelt hätten, und Knochen- 
sücke, die von einem deutlich gebildeten Periosteum um- 
geben fibröse, halbsehnige Fortsätze zeigten. — Somit stellte 
sich also auch in diesen neuen Beobachtungen eine Reihe von 
Producten dar, welche eine in sich geschlossene Formation dar- 
bieten. Es sind Bildungen, welche als Mittelglieder zwischen 
denen der äusseren Haut und denen der Schleimhaut der 
inneren Hautoberfläche , besonders des Darmkanals ,  auftre- 
ten. Ueber die Gränze der Erzeugnisse dieser Hautgebilde 
schreitet der in Rede stehende krankhafte Bildungsprocess nicht. 
Man sieht Haare wie an den äusseren Bedeckungen , Zähne wie 
im Munde, Talg- und Schleimerypten wie in beiden Hautor- 
ganen, und Knochenstücke als Ansatzpunkte für die häutigen Ge- 
bilde und für die Zähne. Auch überkleidet eine deutliche Epi- 
dermis das zellig - fibröse Corium. Doch gewährt diese Analo- 
gie nur eine oberflächliche Einsicht in das Wesen dieser After- 
gebilde. Lichter aber wird es, wenn man die Frage über die 
Natur der Hautgebilde der inneren und äusseren Oberfläche 
sich genauer zu beantworten sucht. Das Wesen dieser Gebilde 
besteht hauptsächtich darin, dass sie als Organe der Sensibili- 
tät gegen die Aussendinge, welche an der äusseren und inneren 
Oberfläche mit dem Körper in Berührung kommen, sich bilden.
	        
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