Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

11. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 211 
scheinungen von rheumatischer Entzündung des Rückenmarks 
wahrgenommen. Als vorzüglich empfänglich für die rheumati- 
sche Affection zeigte sich die Schleimhaut des Speisekanals, und 
zwar Anfangs besonders die obere Region. Meist entstand zu- 
erst ein Hinderniss beim Schlucken im mittlern Theile des Pha- 
rynx mit lästigem Brennen, welches letztere sich tiefer in den 
Oesephagus zog. Wenn Speise oder Getränk an eine gewisse 
Stelle der Speiseröhre kam, so stellte sich ein Schmerz ein, der 
oft höchst empfindlich wurde, bis in den Magen hinabstieg und 
in ein Gefühl von stumpfem Drucke in der Regio epigastrica 
überging. Dabei war die Zunge meist rein, der Appetit gut, 
die Ausleerungen selten oder durchfallähnlich,. der Schlaf gut, 
der Schweiss am Morgen reichlich, der Urin saturirt, das Fie- 
ber gering oder fehlend. Diese Dysphagia rheumatica schien 
den ersten, leichten Grad der rheumatischen Affection des Darm- 
kanals zu bilden und endigte oft mit starkem: Katarrh. Im hö- 
hern. Grade fixirte sich das Uebel auf die innere Oberfläche des 
Magens. Die Krankheit begänn mit Frost und Hitze, die jeden 
Abend stärker wiederkehrten. Oft blieb dieser Fieberzustand 
mnbemerkt, und nach Erkältung, besonders durch kaltes Trinken 
traten schnell örtliche Zufälle ein. Die Kranken klagten über 
Druck und Vollseyn in der Herzgrube, es erfolgte meist Wür- 
gen, Erbrechen, Leibschneiden und Durchfall, doch olıne Stuhl- 
zwang. Der Durst war heftig, die Zunge hochroth, trocken, 
oder an der Wurzel und den Seiten gallig belegt, die Mattigkeit 
gross , die Kranken unruhig, schlaflös und zu Schwindel geneigt. 
In der Nacht exacerbirten die Zufälle und zwischen dem vierten 
nnd siebenten "Tage entschied consistenterer Stuhlgang und 
Schweiss ‘das Ucbel. Bisweilen war dasselbe mit rheumatischen 
Brustschmerzen verbunden, oder die Reizung verbreitete sich 
hach der Leber hin, und es gestaltete sich nun wie der gewöhn- 
liche Brechdurchfall. In einem Falle zeigte es sich als Leber- 
entzündung mit Gelbsucht, in andern mit Wechselfieber, auch 
gesellte es sich bisweilen zu ‘chronischen Krankheiten, Durch- 
Fälle dieser Art hielten von der Mitte Juli bis jetzt an und nah- 
men der Anzahl und Heftigkeit nach bald ab, bald zu. Ihr Ver- 
hältniss zu den übrigen acuten Krankheiten erreichte von ihrem 
ersten Erscheinen bis Ende August ungefähr den vierten Theil, 
verminderte sich bis Mitte September auf den zwölften, stieg 
bis zur ersten Hälfte des Octobers auf den sechsten, vermin- 
derte sich 14 Tage lang wieder auf den: zwölften, vermehrte 
sich im November auf den zehnten, sank bis Mitte Januar die- 
ses Jahres auf „%%, stieg in der zweiten Hälfte des Jan. auf 4, 
sank im Febr. auf 4 und später immer mehr, so dass jetzt die 
Epidemie ihrem Erlöschen nahe scheint. Im August und Octo- 
ber v. J. und besonders im Jan: d. J. kamen einzelne schwere 
Fälle vor, die der asiatischen Cholera ziemlich nahe standen. 2 der- 
selben endigten unter ungünstigen Umständen in einem Zwischen-
	        
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