Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

IL, Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Beobachtungen über den Krankheitscharakter des genannten Jah- 
res gereiht. Sie stützen sich auf das Diarium des k. klin. In- 
stituts in Leipzig, auf Beobachtungen aus der Privatpraxis des 
Verf., auf die tabellarischen Krankenverzeichnisse, welche die 
Leipziger Aerzte vom August v. J. an zu entwerfen haben, und 
auf eine Reihe akademischer Vorlesungen des Verf. über den 
Parallelismus zwischen Witterungs- und Krankheitsconstitution, in 
denen unter anderm nachgewiesen wurde, 1) dass die täglichen 
Witterungsveränderungen nicht als isolirte, zufällige Ereignisse, 
sondern als Stadien grosser, zusammenhängender Naturprocesse 
zu betrachten sind, die in ihren Entwickelungen und Entschei- 
dungen, so wie in ihren Störungen und Abweichungen eine merk- 
würdige Analogie mit den gleichnamigen Veränderungen fieber- 
hafter Krankheiten und zwar in Ansehung des Verlaufes sowohl 
einzelner Fälle, als ganzer Epidemieen, zeigen, und 2) dass es 
nicht nur complicirte Krankheiten des Individuums, sondern auch 
complicirte Epidemieen giebt, in denen sich ein Bestreben zur 
Entwickelung nach verschiedenen Seiten offenbart, von denen 
bald die eine, bald die andere überwiegt. — Was nun den 
Charakter der Krankheiten im v. J. anlangt, so war derselbe 
während der, drei ersten Monate, wie es im Winter gewöhnlich 
zu seyn pflegt, katarrhalisch- und rhenmatisch - entzündlich. 
Schon im Jan. und noch häufiger im Febr. erstreckte sich zu- 
weilen das katarrhalische Leiden auf den Darmkanal und erzeugte 
einzelne Brechdurchfälle. Auch mit den schon im Jan. eingetre- 
tenen, im Febr. und März aber häufiger gewordenen Wechsel- 
febern verbanden sich im Anfange nur katarrhalisch - rheumati- 
sche, später aber auch gastrisch - biliöse Zeichen mit vorherge- 
henden Congestionen nach oben. Im April bildete sich der ga- 
strisch-biliöse Cherakter mehr aus, und im Anfange des Monats 
begann oft die Krankheit als rhenmatisch- entzündliche und ge- 
staltete sich erst später als gastrische, auch gingen katarrhali- 
sche Fieber nicht selten in gastrische über; doch wurden auch 
gastrische Wechselfieber beobachtet, die erst, wenn sie Recidive 
machten, sich mit rheumatischer Pneumonie verbanden. Gegen 
die Mitte des Monats wurden nach einem Gewitter die Wech- 
selfieber häufiger, und gegen Ende des Monats trat bei schö- 
ner, trockener Witterung der rheumatisch - katarrhalische Chara- 
kter mehr zurück, der gastrische aber deutlicher und einfacher 
hervor. Im Mai kamen besonders Wechselfieber mit einem ge- 
ringen gastrisch- biliösen Zustande vor, so dass letzterer weni- 
ger als Complication, sondern mehr als Symptom des Wechsel- 
fiebers betrachtet werden musste. In der zweiten Woche des 
Mais wurde bei rauher Witterung abermals der katarrhalisch- 
rheumatische Charakter vorherrschend und bot häufig eine Aehn- 
lichkeit mit der an mehrern Orten sich zeigenden Influenza dar. 
Ein sehr lästiger, mehr krampfhafter als entzündlicher Schmerz 
in den Augen, Ziehen im Nacken, Heiserkeit, Gefühl von Wund- 
0
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.