Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

Il. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 131 
haben nun schon seit einem Jahrhunderte das Eindringen dersel- 
ben in Europa völlig unmöglich gemacht. Warum ist dies Alles 
bei der ‚Cholera nicht möglich gewesen? Die persönliche An- 
steckung allein reicht also nicht zu zur Erklärung der Erschei- 
nungen. Dies ist es aber auch allein, was wir gewiss wissen. 
Es muss also noch einen zweiten Weg der Mittheilung und Ver- 
breitung geben, über den ein heiliges Dunkel herrscht, da es 
uns unbekannt ist, ob eine atmosphärische Fortpflanzungizund Re- 
production, oder eine unterirdische vulkanische ihr zum Grunde 
liegt, oder ob sie durch belebte Luftatome geschieht. Das Nähere 
müssen wir der Zukunft zur Aufhellung überlassen. — Die 
orientalische Cholera ist folglich zwar ansteckend, aber nicht 
absperrbar. [Berl. medic. Zeit. 1832, Nr. 15, S. 225—229, nach 
der Allgem. Preuss. Staatszeit., 1832, Nr. 99.] (K—e.) 
101.Ueber die Verschiedenheit der Erkrankungs- 
ind Mortalitätsverhältnisse bei der orientalischen 
Cholera und ihre Ursachen; von C. W. HurkLAndD. — 
Der Verf. stellt zuerst eine Vergleichung des verschiedenen 
Verhältnisses der Erkrankungen zu der Bevölkerung 
überhaupt, und der Mortalität zu den Erkrankungen. an ver- 
schiedenen Orten art (nämlich Moskau, Petersburg, Wien, Berlin, 
Hamburg, Prag, Breslau, Königsberg, Magdeburg, Brünn, Stettin, 
Halle, Eibing, Ungarn, Sunderland, London), woraus sich ergiebt, 
1) dass die Zahl der Erkrankungen (also die ergreifende Kraft der 
Seuche) im Ganzen im Verhältnisse des Fortrückens der Seuche von 
Osten nach Westen abnimmt, oder auch, dass die Verbreitung 
der Krankheit in ihrem Uebergange von den slavischen zu den 
germanischen Völkerschaften abnimmt; 2) dass das Mortalitäts- 
Verhältniss im Ganzen und im Durchschnitte die Hälfte beträgt, 
und sich auch noch bei extensivem Abnehmen der Krankheit 
gleich bleibt , wenn auch im Einzelnen merkwürdige Abweichun- 
gen vorkommen, so dass es an manchen Orten Ein, ja Zwei 
Zehntheile mehr, an manchen nur ein Drittheil beträgt. Diese 
Berechnung hat jedoch etwas Schwankendes und Unsicheres, in- 
dem einige Aerzte alle zur Zeit der Epidemie vorkommende 
Brechdurchfälle zur oriental. Cholera rechneten, andere, und be- 
sonders an den Orten, wo strenge Absperrungsmaassregeln ein- 
geführt waren, nur die entschiedenen Fälle der orientalischen 
Cholera meldeten. So lässt sich die geringe Zahl der Sterbe- 
fälle in Wien, Ungarn und Gallizien gegen Berlin, Magdeburg, 
Stettin erklären. — Gewiss ist es, dass die extensive Kraft der 
Krankheit nach Westen zu abnimmt, und die Ursache hiervon 
kann nur entweder Abnahme der Ansteckungs - und Reprodu- 
ctionskraft des Ansteckungsstoffes, oder Abnahme der Empfäng- 
lichkeit dafür seyn. — Als physische Einflüsse, und Verhält- 
nisse nun, die wir als Ursachen der Verschiedenheit sowohl der 
verschiedenen Krankheitsausbreitung als der Sterblich- 
keit annehmen können, betrachtet der Verf, folgende: I) Die 
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