Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

VL Mediecin im Allgemeinen. 
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Aem die Cholera herrschte, mit der gewöhnlichen Sterblichkeit 
und zunächst‘ der der vorhergehenden Jahre vergleicht. Doch 
muss dann in dem Cholera-Jahre keine andere Krankheit eine 
grosse Tödtlichkeit bedingt haben, weshalb Orte, wie Danzig, 
Posen, Bresiau und Berlin, wo zugleich bösartige Fieber und 
schwere Krankheiten erschienen, zu einer solchen Untersuchung 
wicht passend sind. Es eignen sich dazu nur die Städte, wo 
neben der Cholera keine Krankheit einen ungewöhnlichen Ein- 
fluss auf die Sterblichkeit hatte, und eine solche Stadt ist St. 
Petersburg, wo, da, als die Cholera besonders wüthete, alle 
andern Krankheiten sehr zurückgedrängt waren, ohne später das 
Versäumte -gleichsam nachzuholen, der Ueberschuss der Sterb- 
lichkeit gegen frühere. Jahre nur zu gewiss der Cholera zuzu- 
schreiben ist. Hält man sich nun, was Petersburg betrifft, an 
die Gesammtsterblichkeit, so ergiebt sich, ‚dass im Jahre 1831 
auf einen Geborenen mehr als drei Sterbefälle kom- 
men, während im Jahre 1830 etwa‘ l4 Geborene auf 15 Ge- 
storbene und 1829 etwa 6 Geborene auf 7 Gestorbene kamen, 
was freilich ein bedeutend günstigeres Verhältniss war. Hierbet 
darf auch nicht übersehen werden, dass die Zahl der Geburten 
im Jahre 1831 etwa 4 weniger, als in früheren Jahren war, 
was wohl von dem nicht selten an Cholera erfolgten Tode von 
Schwangern und dem in Folge dieser Krankheit so häufigen Vor- 
kommen von Abortus abhängen mag. — Das Verhältniss der an 
Cholera Gestorbenen zu den von ihr Genesenen stellt sich im All- 
gemeinen wie 9 zu 4, was freilich überaus ungünstig ist, doch 
nicht den verschiedenen Heilmethoden zugeschrieben werden darf, 
da bei Vielen eigentlich gar keine Behandlung Statt fand. L. 
konnte übrigens aus seinem Spitale die Hälfte der Kranken ge- 
nesen entlassen und musste einen grossen Theil der Todten, we- 
gen ihres sehr schnell erfolgten Todes, gar nicht als ärztlich be- 
trachtet ansehen. — Kitwas günstigere Resultate, als die oben 
mitgetheilten, giebt eine andere Art der Berechnung. Es leben 
nämlich in Petersburg mit und neben der grossen Masse der Na- 
tional- Russen eine. beträchtliche Zahl von Personen, die, ohne 
deswegen alle zu den Ausländern zu gehören, doch zu jenen zu 
rechnen sind. Von den Kvangelischen und Katholiken, welche 
beide den bei weitem grössten "Theil der Ausländer ausmachen, 
liegen genaue Listen vor, nach denen im Jahre 1831 etwa um 
die Hälfte mehr starben, als 1830 und 1829. Ihr Sterblich- 
keitsverhältniss war also um die Hälfte günstiger, als bei der 
Gesammtzahl, auch war die Zahl der Geborenen im Jahre 1831 
keineswegs bedeutend geringer, als in den vorhergehenden Jah- 
ren. Doch ergeben auch diese Resultate noch sattsam den sehr 
ungünstigen Einfluss der Seuche... Unter den einzelnen Gemein- 
den dieser Ausländer war übrigens das Sterblichkeitsverhältniss 
sehr verschieden und richtete sich ganz deutlich nach dem 
Grade der Wohlhabenheit dieser Gemeinden und der damit zu-
	        
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