Full text: (Bd. 2 (Jahrg. 1832) = No 9-No 16)

106 
IV. Staatsarzneikunde. 
nach aussen oder durch die Speiseröhre in den Magen getrie- 
ben. Alle Versuche an Menschen, Hunden, Katzen, Kanin- 
chen, Schweinen und Schafen geben dieselben Resultate. 3) 
Der Nachtheil des Lufteinblasens in allen Fällen, wenn es nicht 
mit sehr vieler Vorsicht und grösster Schonung geschieht, be- 
steht theils darin, dass der Luft durch Umbeugung des Kehlde- 
ckels der Zugang zu den Lungen versperrt wird, theils aber 
darin, dass durch den Druck, den die durch die Speiseröhre in 
den Magen getriebene Luft auf die Brust ausübt, die Lunge 
verhindert wird, sich auszudechnen. Weit sicherer als das Luft- 
einblasen bewies sich dem Verf. das Luftanziehen aus den Lun- 
gen zur Wiederbelebung Scheintodter vermittelst eines von ihm 
angegebenen Instruments, welches einem Blasebalge gerade 
entgegengesetzt wirkt und die Luft beim Oeffnen von vorn ein- 
zieht und beim Schliessen in entgegengesetzter Richtung aus- 
treibt; dadurch wird das Ausathmen, womit das Leben endigt, 
nachgeahmt, die unthätige Lunge wird aufgeschreckt, um das, 
was ihr entzogen wird, festzuhalten, oder wieder zu ergreifen, 
and in den Lungen ein mehr oder weniger IJuftleerer Raum 
gebildet. Unter 47 durch Luftanziehen beliandelten scheintod- 
ten Thieren kamen 41 wieder zum Leben, obschon das Athmen 
durch Unterhalten unter das Wasser 5— 15 Minuten unter- 
drückt worden war, von jenen hingegen, denen zum Zwecke 
des Wiederbelebens Luft eingeblasen wurde, konnten von 19 un- 
ter übrigens gleichen Umständen nur 2 wieder erweckt werden. 
Die mitgetheilten Versuche verdienen im Originale nachgelesen 
zu werden. Wir machen hier nur noch auf die Wichtigkeit der 
Freilich noch zu bestätigenden Behauptung aufmerksam, dass die 
eingeblasene Luft nicht in die Lunge gelange, wodurch bei zwei- 
felhafter Todesart neugeborener Kinder die Untersuchung, ob die 
in den Lungen vorhandene Luft eingeblasen oder eingeathmet 
sey, für die Folge überflüssig werden würde. 6. Ueber den 
Kaiserschnitt nach dem Tode. Das Gesetz, dass jede 
Frau, welche in den letzten Monaten der Schwangerschaft un- 
entbunden gestorben ist, durch den Kaiserschnitt entbunden wer- 
den soll, wenn das Kind nicht auf natürlichem Wege zur Welt 
befördert werden kann, scheint dem Verf. zu allgemein und zu 
unbestimmt, da diese Operation dann manche Scheintodte tref- 
Fen und dadurch das Leben der Mutter der sehr ungewissen 
Rettung des Kindes zum Opfer gebracht werde. Kin alter Sol- 
dat erzählte kurz vor seinem Tode dem Verf. folgenden Fall: 
Als Bedienter eines Chirurgen während des Befreiungskrieges 
wurde er in einer Nacht in Abwesenheit seines Herrn von sei- 
nem Wirthe mit der Bitte geweckt, bei seiner eben unter dem 
Gebären gestorbenen Frau das Kind durch ”_. auchschnitt zu 
retten. Da er bei der Frau keine Lebensz: ichen sehr bemerkte, 
machte er mit einem Messer aus seines " °rrn Instrumentenka- 
sten einen Einschuitt vom Nabel bis zz: .ichoosafuge, so dass
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.