Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

VI. Gynäkologie und Pädiatrik. 497 
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doch leuchtet es ein, wie beide Bedingungen sich In gegenseiti- 
ger auf einem rein mechanischen Verhältnisse beruhender, durch 
kein dynamisches Heilmittel allein zu beseitigender Abhängigkeit 
von einander befinden, da einerseits die Erweiterung des Mutter- 
mundes Trennung der Placenta und somit Blutfluss, letzterer 
aber, wo er im geringsten gefahrdrohend wird, das Einschreiten 
der Kunsthülfe bedingt, wodurch es zugleich unmöglich wird, 
die freiwillige Erweiterung des Muttermundes abzuwarten. Der 
sanfte Druck des Tampons‘ aber auf das untere Gebärmutter- 
segment hemmt oder mässigt den von ‚der allmählichen Erwei- 
terung des Muttermundes abhängigen Blutfluss, ohne jedoch 
diese selbst zu verhindern; er verschafft dem Geburtshelfer Zeit, 
den günstigsten Moment zur Anwendung der Kunsthülfe abzu- 
warten; er erspart der Mutter die nicht schmerz- und gefahr- 
jose künstliche Erweiterung des Muttermundes und lässt im All- 
remeinen den Geburtswegen Zeit, sich zur Geburt vorzubereiten; 
er ist oft noch das einzige Mittel, den Blutfluss zu hemmen 
und zu mässigen, wenn die künstliche Erweiterung des Mutter- 
mundes durch krankhafte Störungen, Kutzündung, Plethora, 
Krampf, Rheumatismus erschwert oder gar unmöglich wird, 
und so Zeit zur Beseitigung dieser dynamischen Störungen durch 
Arzeneien zu gewinnen. — Im Allgemeinen kann der Tampon 
bei Blutungen während der Schwangerschaft und wäh- 
rend der Geburt angewendet werden. Im ersteren Falle, um 
Blutungen zu hemmen, welche die regelmässige ‚Dauer: der 
Schwangerschaft abzukürzen ‘drohen; jedoch wende man ihn hier 
nur dann erst an, wenn alle anderweiten passenden Mittel er- 
folglos geblieben sind, da der Tampon durch Druck auf den 
Muttermund leicht Wehen erregen. und dadurch gerade Früh- 
geburt herbeiführen kann; doch darf er auch gegentheilig nicht 
zu spät versucht werden, wenn sich bereits Symptome von Blut- 
leere und Erschöpfung darbieten, und das dynamische Reactions- 
vermögen des Körpers schon zu sehr gesunken ist. — Hinsichtlich 
der Anwendung des Tampons bei Blutflüssen während der Ge- 
burt ist zunächst auf den Kräftezustand der Mutter, den Zu- 
stand des Muttermundes, die Insertionsstelle der Plac. und den 
vorliegenden Kindestheil Rücksicht zu nehmen, und es ergeben 
sich als bestimmte Indicationen für seinen Gebrauch bei /7eac, 
praevia folgende: 1) ein solcher Kräftezustand der Mutter, dass 
beim langsameren Fortschreiten der Geburt auf die Ausdauer der 
Kräfte und Mithülfe der Natur, selbst bei einigem Blutverluste, 
gerechnet werden darf; 2) unzureichende Eröffnung des Mut- 
termundes; 3) seitlicher Sitz des Mutterkuchens ( Plac. praevia 
lateralis); 4) Vorlage eines Stammendes des Kindes. Krank- 
hafte Affectionen des Uterus und ihr Reflex am Muttermunde, 
Krampf, Rheumatismus u. s. w. verbieten seine Anwendung nicht; 
nur mag er hier sanft angelegt und nicht mit reizenden Stoffen, 
sondern mit einem schleimigen Vehikel getränkt werden. — 
Summarium d. Medicin. 1832, J. 32
	        
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