Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

VII. Staatsarzneikunde. 
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dauernde Manie (momentaner , Wahnsinn) hervorgebracht wurde. 
— Unstatthaft und nur auf die Annahme einer manie sans delire 
gestützt ist die von MITTERMAIER geforderte Trennung und Un- 
terscheidung der Freiheit des Entschlusses und der Freiheit des 
Urtheils. Nach dieser Lehre soll nämlich bei fehlender Freiheit 
des Entschlusses die Freiheit des Urtheils ungestört seyn, d.h. 
der Mensch ist sich der Handlung bewusst, er wird aber dazu in- 
stinctmässig durch einen unwiderstehlichen, blinden Drang fort- 
gerissen. Aber wer nicht fähig ist, sich selbst zu bestimmen, und 
durch einen unwiderstehlichen Drang zu gewaltthätigen Handlun- 
gen fortgerissen wird, wobei nicht zu vergessen ist, ‚dass einem 
solchen Zustande immer eine krankhafte Ursache, sey sie eine 
verborgene, oder sey sie eine offenkundige, zu Grunde liegt, bei 
dem muss auch. das klare Bewusstseyn der Handlung im rechtli- 
chen Sinne, oder Freiheit des Urtheils aufgehoben seyn. — Bei 
Erforschung des geistigen Zustandes des Angeklagten kann das 
Geschäft des Richters, nachdem der Thatbestand des Verbrechens 
festgestellt ist, kein anderes seyn, als die Anwendung der Gesetze 
auf den concreten Fall; das Geschäft des Arztes aber ist die Her- 
stellung des subjectiven Thatbestandes, insofern er sich.aus der 
innern Natur des Menschen entwickeln lässt. [Henkes’ Zeit- 
schrift, 14tes Krgänzungsheft, S. 133—170.] : - (L.) 
41... Ueber den. gegenwärtigen Zustand der 
Schutzpockenimpfung im Allgemeinen, mit beson- 
derer Rücksicht auf Baiern. Vom Dr. LırrL, Landge- 
richtsarzte in Wasserburg. Der Verf. sucht zuvörderst 
die in der neuern Zeit in Zweifel gezogene Schutzkraft der Vac- 
cine gegen die hin und wieder gemachten und besonders von Eng- 
land ausgegangenen Erfahrungen, dass die Vaccine die Men- 
schenblattern nur modificiren und weniger verheerend machen 
könne, zu vertheidigen. Der Verf. stellt hauptsächlich mit 
Nachweisungen aus den berühmtesten Schriftstellern folgende Ge- 
genbemerkungen auf: 1) Die Beobachtungen der bei Geimpften 
ausgehbrochenen, wenn auch modificirten Pocken kommen. aus 
Ländern, in welchen die Vaccination theils nicht ‚gesetzlich an- 
geordnet , theils nicht mit gehöriger Genauigkeit und Controle he- 
trieben wird. 2) Oft werden. andere Ausschlagskrankheiten für 
wahre Pocken gehalten, oder es wird nur aus den zurückgeblie- 
benen, trügerischen Narben auf vorhanden gewesene Pocken ge- 
schlossen (der Verf. giebt hierzu Beweise). 3) Die Vaccination 
ist, wo wirkliche Pocken die Geimpften befallen, nicht vollständig 
geschehen. (So wird in England vorzüglich, wie die besten Schrift- 
steller bezeugen, die Impfung mehrere Tage nach einander aus 
der nämlichen Blatter gemacht, ja selbst Krusten werden dazu 
verwendet.) 4) Es hat mangelhafte oder gar unterlassene Visita- 
tion der mit guter Lymphe Geimpften Statt gefunden, oder es 
sind zu wenig Pocken geimpft worden, oder die Impfung ist (wie 
in England) von Hebammen, Schullehrern etc. verrichtet worden.
	        
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