Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 13155 
daher er auch nicht unterliess , mehrere Choleraleichen in Schott- 
land zu untersuchen, in der Absicht, die wahrscheinlichen Ver- 
änderungen in den genannten Nervengeflechten zu entdecken. Bei 
fünf Sectionen glückte ihm dies. In der ersten Leiche fand er den 
plexus solaris geröthet und infilfrirt ; die ergossene Materie haige 
das Eigenthümliche, dass sie dicht war, bei Einschnitten in den 
plex. nicht ausfloss und sich in grösserer Menge in dessen Centrum, 
als in der Peripherie zeigte. In der zweiten Leiche war der pler. 
solar. von grösserm Umfange, roth, injieirt, auf der Schnittflä- 
che glänzend und feucht, obgleich keine Materie ausfloss, die Ae- 
ste desselben angeschwollen, ihr Neurilem roth, ein wenig infil- 
trirt. Die dritte Leiche zeigte angeschwollene zervos vagos , die 
jedoch ihre natürliche Farbe hatten; die Fäden des plexus solar. 
stärker, als gewöhnlich, und roth, das Neurilem derselben inji- 
eirt. Ein Einschnitt in den pler. liess erkennen, dass die ausge- 
schwitzte. Materie sich verdichtet hatte. In der vierten Leiche, ei- 
nem 7jährigen Mädchen, war der plex. solaris wohl etwas ver- 
zrössert, aber nicht geröthet, allein in den plex. renalibus liess 
sich einige Röthe entdecken. Die fünfte Leiche zeigte den pl/e.x. 
solaris angeschwollen und roth, die renales natürlich. (Die übri- 
gen Seclionsresultate , die von den bekannten nicht abweichen, 
glaubt Ref. übergehen zu dürfen.) Es scheint D. nach diesen Kr- 
gehnissen seiner anatomischen Untersuchungen gewiss zu seyn, 
dass das Wesen der Cholera in einer Affection der grösseren Gan- 
gliengeflechte des Unterleibes besteht, die nicht allein die Abwei- 
chung in den Darmsecretionen und in der Urin - und Gallenabson- 
derung , sondern auch die Veränderung des Blutes, die Kälte der 
Extremitäten und des Athems und die Krämpfe bedingt. [Gazette 
medicule de Paris, Tom. IIT, Nr. 11.) . (H—I.) 
385. Ueber die Krise der Cholera; von Dr. Liy8- 
LEIN in Fulda. Prof. OcKeL in Petersburg erzählt in Ranıvs’s 
Cholera-Zeitung, Nr. 13, dass eine Kochsalzauflösung, mit wel- 
cher zugleich ein warmes Bad, ein Senfteig auf den Magen und 
warme Säcke und Umschläge angewendet wurden, von deın gröss- 
ien Nutzen in der‘ Cholera gewesen sey. Die Kranken erbra- 
chen nach dem Mittel eine Menge Galle, bekamen reichliche 
gallige Sedes und genasen bei diesen Entleerungen sehr schnell, 
spätestens bis zum 5. Tage. Wurden die Stuhlausleerungen 
nicht gallig, so reichte man 2 Tage lang einen Rıvrr’schen 
Trank und Tinct. rhei Dar., worauf sich gewöhnlich Galle in den 
Stühlen zeigte und die Genesung erfolgte. Auch v; ERZDORFF- 
KurreR und Muune gaben mit glücklichem Erfolge das Koch- 
salz in der Cbolera. Aus diesen Erfahrungen schliesst nun L., 
dass gallige Ausleerungen die naturgemässe Krise der Cholera 
sind, Schweiss aber nur als eine Nebenkrise zu betrachten ist. 
Die Krankheit ist eine Vergiftung des Blutes, die durch ein 
Miasma oder Contagium hervorgebracht ist, bei welcher sich das 
Blut so verändert, dass in ihm, die Venosität überwiegend wird.
	        
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