Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

Il. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 425 
auch das Chinin noch nicht geleistet hat, was es unter andern 
Umständen hätte leisten können, so haben doch die nach der 
Analogie der Krankheit mit dem Wechselfieber empfohlenen 
Mittel, namentlich die Brechmittel, den grössten Nutzen ge- 
schafft. Auch haben die vom Verf. so dringend empfohlenen 
kalten Uebergiessungen und kalten Getränke sich 
zattsam bewährt. Nicht minder hat das Magist. bism. in den- 
jenigen Fällen, wo es X. anrieth, nämlich wo eine 8symptoma- 
tische Cardialgie vorherrschte, erspriessliche Dienste ge- 
leistet. Das Anathema aber, welches derselbe früher über die 
englische Methode aussprach, hat sich in der Erfahrung 
bestätigt. Zu bedauern ist jedoch, dass das Opium dadurch, 
dass es nicht richtig gegeben wurde, in Misscredit gekommen 
ist. Im ersten Auftreten des Fieberzeitraumes der Cholera wird 
es, in einer hinlänglich grossen Gabe gereicht, sich eben so 
nützlich bewähren, wie es sich schon oft in Anfällen bösartiger 
Wechselfieber gezeigt hat. Die oft wiederholten Gaben dieses 
Mittels, besonders im fernern Verlaufe der Krankheit, sind aber 
gewiss schädlich. — Was .noch das Chinin anlangt, so hat sich 
wenigstens aus den von vorurtheilsfreien Aerzten angestellten 
Versuchen ergeben, dass: es bei den im Cholerafieber eintre- 
tenden Remissionen Grosses und Unübertreffliches leiste. Meh- 
rere, die dies zugeben, sind der Meinung, dass es früher, 
während der eigentlichen Kälte, angewendet, nichts nülze, was 
jedoch sehr zu bezweifeln ist. Wenn nämlich dies Mittel auch 
gegen‘ die Symptome des Choleraanfalles keine augenblicklich in 
die Sinne fallenden Heilwirkungen äussert, was leicht aus dessen 
Natur zu begreifen ist, so ist es dessenungeachtet sehr nützlich, 
da seine heilsame Wirkung nicht zur Heilung der Choleracom- 
plication, noch zur augenblicklichen Hebung des ersten Fieber- 
anfalles dienen soll und kann, sondern zur Verhütung eines zwei- 
ten Anfalles. ‘ Zu diesem Zwecke reicht aber die kurze Zeit 
des Nachlasses nicht aus, weshalb es schon im ersten Anfalle 
und in Verbindung mit andern indicirten Mitteln. gegeben werden 
muss. Wo der Darmkanal bereits der Paralyse nahe ist, kann 
begreiflicher Weise auch das Chinin nicht helfen, da es nicht 
in den Kreislauf gelangt, doch helfen hier anch andere innere 
Mittel nichts. Vielleicht wäre dann noch etwas von der ender- 
mischen Anwendung dieses Mittels zu hoffen. — Schliesslich 
nimmt der Verf. die Priorität der Entdeckung, dass die 
s. g. indische Cholera eine Complication der gewöhnlichen epi- 
demischen Cholera mit einem Sumpfwechselfieber sey und dem- 
nach auch als solches behandelt werden müsse, von Neuem für 
sich in Anspruch, um durch alle geeignete Mittel zu verhindern, 
dass‘ die Priorität jener Entdeckung dem Ruhme Deutsch- 
lands entzogen werde. [Radius’s allgem. Cholerazeit., No. 59, 
S. 161 — 172.) (K— ee.) 
266. Einen Fall von Cholera orientalis, die sich
	        
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