Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

106 II. Pathologie, Therapie und medieinische Klinik. 
Ipecacuanha und zu dem Gebrauche dieser Wurzel in abgebro- 
chenen Gaben, in Substanz oder im Aufgusse, in Verbindung 
mit kleinen Gaben Opium und in kurzen Zwischenzeiten, auch 
wohl zum Aufgusse der Arnicawurzel ein. Wo es aber nicht 
gelang, der weiteren Entwickelung Einhalt zu thun, oder wo 
die Cholera schon ausgebildet war, da wurde der Zweck durch 
die erhitzende, schweisstreibende Meihode zu erreichen gesucht, 
Das Infusum und die Aqua Melissae und Cinnamomi wurden am 
besten vertragen; das Opium nie in grosser Gabe gegeben 
und zuletzt gar nicht mehr gereicht. — Von 292 auf diese 
Weise behandelten Cholerakranken genasen 128, starben 164 
Uebrigens wurde diese Methode noch bei 45 sterbend Ueber- 
brachten angewendet. — Bei vorherrschender Ueberfüllung des 
Gehirnes leisteten kalte Ueberschläge über Kopf und Stirn, 
Senfteige und Ziehpflaster, häufig und in der Nähe des Kopfes 
angebracht, nebst den mässig erregenden Mitteln, innerlich die 
Arnicablüthen die besten Dienste. Die vielgerühmten Waschun- 
gen und Einreibungen, Bäder und Dampfbäder waren nicht ver- 
mögend, die Turgescenz nach der Haut wirksam hervorzurufen. 
— Ein anderer Weg, den man zu Erreichung obigen Zweckes 
einschlug, bestand darin, dass man ein Brechmittel aus Ipeca- 
cuanha gab, dasselbe bisweilen wiederholte und hierauf jedes- 
mal diese Wurzel in gebrochener Gabe und in kurzen Zwischen- 
zeiten fortreichte. Dabei liess man schleimige oder mit mine- 
ralischen Säuren versetzte Getränke nehmen und den Kranken 
wohl bedecken. Wiederholte Hautreize durch Senf und Meer- 
retlig wurden nicht ausgeschlossen. Von 21 auf diese Weise 
behandelten Kranken genasen 9 starben 12. — Wo diese 
Methode, bei hohem Grade und raschem Verlaufe des Uebels, 
nicht ausreichte, wurde sie mit der früher angegebenen in Ver- 
bindung gesetzt, und es genasen von 37% Kranken 12 und star- 
ben 25. — MKEine der ersten ganz entgegengesetzte Methode 
bestand in der äussern und innern Anwendung der Kälte. Bei 
geringern Graden des Uebels stillte der Gebrauch des frischen 
Brunnenwassers, kei mittlern der des Eiswassers das Erbrechen 
ganz und die Diarıöe grösstentheils. Bei höhern Graden muss- 
ten, ausser dem häufigen Trinken von Eiswasser, auch Eisstück- 
chen innerlich gegeben und Waschungen mit frischem oder eis- 
kaltem Wasser, oder Reibungen der Oberfläche des Körpers 
vermittelst eines Eisstückes angestellt, ferner auch Klystiere und 
Ueberschläge von Eis in Anwendung gezogen werden. Nach 
dieser Methode wurden von Mitte September bis Ende Octo- 
ber 100, und von da bis 12. December 42 Cholerakranke be- 
handelt. Von jenen genasen 65 und starben 35; von diesen ge- 
nasen 34, und starben 8. Bei mehreren verzweifelten Fäl- 
len suchte man durch die vereinten Kräfte der Kälte und der 
erregenden Arzneimittel die Gewalt der Krankheit zu brechen. 
Es gelang von 58 Fällen nur bei 19; die übrigen stzcben. — 
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