Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

100 II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
ander stellt. Das Resultat dieser Zusammenstellung ist in der 
That auffallend; es nöthigt uns, zuvörderst von der Idee , dass 
die Cholera eine Nervenkrankheit, eine Affection der Ganglien 
des Unterleibes sey, abzustehen, und sie vielmehr als einen 
Process kritischer Ab- und Ausscheidung eines Stoffes, den 
das organische Leben nicht zu beleben vermag, und der daher 
nicht ferner mehr in seinem Bereiche bleiben kann und darf, 
zu betrachten. Meistens genesen die Cholerakranken, bei de- 
nen Brechen und Durchfall länger, als gewöhnlich anhalten. 
Bewährt sich die Identität der Cholera und der Malacie der 
Organe des Unterleibes, so dürfen wir auch die Contagiosität 
der Cholera nicht anerkennen. [Med. Conversationsbl., Nro. 4 
und 5, 1832.] (H—L) 
856. Einige Bemerkungen über die Cholera- 
Epidemie in Wien, aus dem pathologisch-anato- 
mischen Gesichtspunkte; von Dr. Joy. Wagner, Pro- 
fessor der pathol. Anatomie. Auch dem pathologischen Zer- 
gliederer konnten die wesentlichen Veränderungen, welche der 
Krankheitscharakter, insbesondere seit Ende Juni 1831, ein- 
ging, nicht entgehen. Wie in der Form des Nervenfiebers, 
welches der Cholera vorausging und einen schleichenden Ver- 
lauf annahm, so bemerkte man auch in den materiellen Ver- 
änderungen ein bedeutendes Zurückschreiten, indem die Zahl 
und Intensität der typhösen Geschwüre, die venöse Congestion 
zur; aufgelockerten Krummdarm - und Grimmdarm - Schleimhaut; 
die Metamorphose der PeEveEer’schen- und Gekrösdrüsen gemil- 
dert erschienen. Die typhösen Darmgeschwüre wurden immer 
seltener und zeigten sich endlich in Form von 4 Linie hoher, 
graulicher, sarkomatöser Arrosionen, zwischen diesen erhoben 
sich, : statt der sonst hanfkorn- bis erbsengrossen Schleim- 
drüschen, nunmehr hirsenförmige, blasse Knötchen, Die Ge- 
krösdrüsen erreichten grösstentheils nur die Hälfte der gewöhn- 
lichen Grösse. Als ausgezeichnete Beweise für die Aenderung 
der Constitution dienen die vom 4—24. Juli vorgekommenen 
Sterbefälle: denn die Knötchenwucherung, die Arrosion der 
Krummdarm-Schleimhaut, die Anschwellung und seröse Infiltra- 
tion der tiefern Darmhäute und die Veränderung der Gekrös- 
drüsen,. welche in den Leichen stärker und häufiger gefunden 
wurden, sind Beweise gastrischer Affection. Die ersten Fälle 
oder die unverkennbaren Vorläufer der Epidemie traten seit 
d. 12. August hervor. Ihre hohe Gefahr und schnelle Tödtlich- 
keit binnen 6—12 Stunden erklärt sich daraus, dass Anfangs 
sehr disponirte Individuen: Säufer, an Scropheln, Syphilis Lei- 
dende, Kranke mit Narben und Geschwüren im Magen und in 
den Gedärmen, mit chronischer Verdickung, Anschwellung, 
Verhärtung, mit polypösen und fungösen Wucherungen der 
Magen - und Darmhäute u. 8. w., ergriffen wurden. Bereits 
nach dem 16. Septbr. beschränkte sich die Epidemie auf eine 
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