Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

[. Anatomie und Physiologie. 389 
menziehung von den obern Gaumenmuskeln nach oben zu ge- 
zogen würde. Dies ist nun, wie Beobachtungen zeigen, wirk- 
lich der Fall, und daher die eigenthümliche Bewegung, die er 
bei seinen Funetionen zeigt: Zusammenziehung seiner 
bogenförmigen Schenkel auf gerade Linien und 
schnelle Annäherung derselben bis beinahe zu ge- 
meinschaftlicher Berührung. Beweis: Man halte die 
Zunge bei weit geöffnetem Munde so weit nieder, dass man 
das hintere Gaumensegel deutlich sehen kann und bringe den 
Nisus des Schluckens hervor; sogleich wird man sich die beiden 
Schenkel dieses Segels einander rasch bis auf eine halbe oder 
eine Viertellinie nähern und eine gerade, lothrechte Linie bilden 
sehen. Ausserdem istes wahrscheinlich, dass dieser Muskel zugleich 
mit dem Gaumenschnürer mittelst der Elasticität seiner Schenkel 
dazu beitrage, dass der durch die obern Muskeln hinaufgezogene 
gesammte Gaumenvorhang , welcher ausserdem schon durch 
seine eigene Schwere, nachdem die Levatoren aufgehört haben 
zu wirken, herabsinkt, rasch herabkomme. V) Der Muskel 
des Zäpfchens (azygos uvulae; palatostaphylinus; epistapky- 
Hinus , staphylinus; levator uvulae) soll das Zäpfchen emporhe- 
hen, verkürzen, vorwärts und hinterwärts krümmen; doch wenn 
man die Bewegung desselben beobachtet und die Richtung sei- 
ner Fibern betrachtet, so kann man nur der Meinung seyn, 
dass er das Zäpfchen weder nach vorn, noch nach hinten, 
sondern gerade in die Höhe hebe und dergestalt verkürze, 
dass dessen äussere Haut Querfalten bildet. Beweis: Die Ki- 
bern des Muskels gehen in gerader Richtung vom Gaumensta- 
chel aus, werden durch nichts in dieser Richtung beschränkt, 
müssen also auch in eben derselben das Zäpfchen heben und 
verkürzen. Es ist kein Grund zu der Annahme vorhanden, dass 
das Zäpfchen nach vorn gekrümmt werde, weder wenn der 
Muskel allein, noch wenn er mit dem Circumflexus und dem 
Levator zusammen wirkt. Die Beobachtung zeigt deutlich, dass, 
so oft das Zäpfchen allein gehoben wird, es immer gerad in 
die Höhe steigt, sich nie nach vorn und nur dann scheinbar 
nach hinten umschlägt, wenn ausser seinem Muskel noch andere 
zugleich wirken. Die Krümmung nach vorn würde nutz- und 
zwecklos seyn, was keinesweges von der nach hinten zu gilt. 
— Nach dieser Beschreibung der Gaumenmuskeln geht Dz. zu 
der Darstellung der Gaumensegel über. (Es ist wohl rich- 
tiger, nur von einem Gaumensegel zu sprechen und die arcos 
palatinos, die von dem einen Gaumensegel ausgehen, Gau- 
mensäulen zu nennen; doch behalten wir hier, dem Plane 
des Summariums gemäss, Dz.’s eigene Worte bei.) Das var- 
dere Gaumensegel besteht aus einer Vortsetzung der 
Schleimhaut des harten Gaumens und des Mundes, aus den 
beiden obern Gaumenmuskeln (Levator und Circumflexus) md 
dem Gaumenschnürer (Constrictor ischmi faucium). Bewegun-
	        
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