Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

Il. . Gynäkologie und Pädiatrik, 375 
Schambogens standen zu nahe an einander, um den Durchgang 
des Kindes zu gestatten. Die Zange konnte nicht angelegt wer- 
den. Sr. schritt zur Perforation, vermochte aber nicht, mit 
dem eingelegten Haken den Kopf herabzuzichen. Selbst nach- 
dem einige Kopfknochen losgebrochen worden waren, rückte 
das Kind nicht vorwärts. Sr. unternahm nun den Schamfugen- 
schnitt, nach dessen Vollendung die Schambeinäste 1 Zoll weit 
aus einander standen. Nun konnte die Hand leicht eingebracht 
und das Kind an den Lappen des Kopfes hervorgezogen wer- 
den. Nach der Entbindung wurden die Schambeine einander 
genähert, die Wunde durch Heftpflaster vereinigt. Die Entbun- 
dene .ist bis auf eine Zucontinentia urinae hergestellt worden, 
[Aus dem compte rendu des traveaux de la sociste des scien- 
ces med. du depart. de la Moselle pour Pannee 1828, in Ger- 
sor’s und Julius’s Mag., Jan. Febr. 1832.] (H—I.) 
838%. Typhus puerperalis; von CrRuveEmLHieR. Der 
Verf., Arzt an der Maternit€ zu Paris, hatte wie sein Vorfahr 
Desorukaux bemerkt, dass in den Monaten December, Januar, 
Februar und März sich fast immer der Typhus puerperalis in 
der Maternite entwickelte, und schreibt diese Entwickelung ein- 
zig und allein 'der Ueberfüllung der Anstalt mit Schwangern 
und Gebärenden zu. Ein gesunder Mensch bedarf täglich 12 
Cubikmeter Luft, um gesund zu bleiben; ein kranker Mensch 
muss ein grösseres Volumen von Luft haben, damit die aus 
seinem Körper entweichenden schädlichen Stoffe neutralisirt 
werden können; eine Wöchnerin braucht ein 4 bis 5 Mal grös- 
seres Volumen, als jeder andere Kranke. Nun hat aber nach 
dieser Annahme die Maternit€ nur Platz für 180 bis 200 Indi- 
viduen, und es sind oft, vorzüglich in den oben genannten Mo- 
naten, 160 bis 180 Individuen zu viel in derselben. Gerade 
dann ist die Sterblichkeit am grössten, wie die "Tabellen des 
Hauses zeigen. Der Verf. stellt folgende Sätze auf, die nicht 
nur auf den T7yphus puerperalis, sondern auf jede miasmatische 
Krankheit passen: 1) Der Typh. puerp. fing nicht im Novem- 
ber an, war nicht heftig im December, weil die UVeberfüllung 
nicht sogleich ihren verderblichen Einfluss äussert; die Mias- 
men müssen erst eine Zeit lang brüten. 2) Der Typh. puer- 
per. war heftiger im Februar, als im Januar, obgleich der Per- 
sonenbestand im Januar grösser war, als im Februar. Diesen 
Widerspruch sucht der Verf. durch die Behanptung zu heben, 
dass, wenn ein Miasma eine bedeutende Intensität erreicht habe, 
das Aufhören der Epidemie nicht durch eine langsame Vermin- 
derung der Krankenzahl, sondern durch eine völlige Entfernung 
der erzefigenden Ursache bedingt werde. 3) Die Krankheit 
zeigte sich immer, wenn alle Betten in den Sälen der Entbun- 
denen belegt waren. Unter gewissen Bedingungen kann das 
Hinzukommen einer einzigen Frau die Epidemie zum Ausbruche 
bringen, gerade wie ein Tropfen, der in ein ganz angefülltes
	        
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