Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

[. Pathologie, Therapie: und medicinische Klinik. 327 
hierin findet die in dieser Krankheit. beobachtete Herabstim- 
mung der Temperatur ihre Erklärung, Um die Grade dieser 
Herabstimmung zu erforschen, stellte L. schon früher in der 
Choleraheilanstalt Nr. IL mehrere Beobachtungen an, welche er 
jetzt jedoch selbst für mangelhaft erklärt und daher mit Still- 
schweigen übergeht. Wichtiger scheinen ihm dagegen die spä- 
tern, in der Choleraheilanstalt Nr. Ill, gemachten Wahrnehmun- 
zen, von denen er das mittheilt, was er bei 16 Kranken fand. 
Unter diesen waren 3 weibliche Individuen, und 9 derselben 
starben. Die Erkrankungen -kamen in der zweiten Hälfte des 
Novembers und im December, also zu einer Zeit vor, wo der 
Charakter der Krankheit schon eine Modification erlitt, und bald 
minder acute Fälle vorkamen. Alle 16 Kranke waren der An- 
stalt aus dem Charitekrankenhause zugesendet, und zwar 11 aus 
der innern, 2 aus der Krätz- und 3 aus der Station für Ge- 
müthskranke. Zu den Messungen wurden 2 eigens dazu ange- 
fertigte ‚- calibrirte und sehr empfindliche REAumur’sche Queck- 
silberthermometer , deren Scalen nicht höher als einige 30° über 
den Gefrierpunkt- gingen , benutzt. Die "Thermometerröhre war 
zum Schutz, wie Badethermometer, mit einer starken Glasröhre 
umgeben, und um das Ganze nicht durch die Hand zu erwärmen, 
wurde die Spitze mit einem Korkringe umgeben. Die Tempe- 
ratur wurde nicht an Theilen geprüft, welche die Thermome- 
terkugel nicht hinlänglich umgeben konnte, also nicht an Na- 
sgenspitze, Backenknochen und Kinn, sondern an Nasenhöhle, 
Mundhöhle, Achselhöhle, geschlossener Hand, Genitalien etc., 
wobei jedoch die nicht ganz zu verhindernde Einwirkung der 
atmosphärischen Luft in Anschlag zu bringen ist. Auch wur- 
den Respiration, laut und Puls, so wie die Ausleerungen der 
Beobachtung unterworfen. Bei den einzelnen Messungen wurde 
das Thermometer immer auf dieselbe Weise angebracht. Im 
Durchschnitte‘ währten die einzelnen Messungen 5 Minuten, und 
eine ganze Beobachtung immer gegen } Stunden. — Was nun 
die Hauptresultate dieser sehr sorgfältig angestellten Beobach- 
tungen aulangt, so gehen sie-auf Folgendes zurück: Der je- 
desmalige Gesammtzustand des Kranken bedingte 
das Verhalten der Temperatur. Besserung hatte 
Steigen, Verschlimmerung Sinken des Thermome- 
ters zur Folge. Als Massstab des Steigens und Sinkens war 
besonders die Beobachtung der Mundhöhle wichtig, da sie am 
empfindlichsten die Differenzen angab. Weniger wichtig erschien 
die Nasenhöhle, bei deren Beobachtung der Zutritt der atmo- 
aphärischen Luft zu sehr influirte, Achselhöhle und Genitalien 
hielten sich stets bedeutend wärmer, selbst in den bösesten 
Fällen, wo Respiration und Puls bedeutend alterirt waren. Beach- 
tet man die vorgefundene Verschiedenheit der Temperaturen, 
besonders die der Ausleerungen, und stellt man sie mit der 
Angst, dem Hitzegefühle und dem unauslöschlichem Durste der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.