Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

326 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Eiterungsprocess;- es tritt, trotz aller Trockenheit der Haut; 'eine 
sehr starke, doch ungemein dünnflüssige Eiterung ein. Der Ki- 
ter sieht fast wie Haberschleim aus, nur etwas weisser; Sein 
Geruch ist schwach; er selbst fällt zwar im Wasser zu Boden, 
doch zieht er Faden und macht Streifen, wie der Schleim. Selbst 
auf chronische Eiterungen ‚äussert die Cholera einen ähnlichen 
Einfluss; die dürftige Eiterung wird reichlicher, und es erfolgt 
schnelle Heilung. Der Verf, sagt zu Ende, er habe mehr als 
Naturforscher, weniger‘ als Arzt die fragliche Krankheit beob- 
achtet. Wir danken seinen Freunden, die ihn zur Aufzeichnung 
seiner Ansichten und der schätzbaren, eben angeführten Unter- 
suchungen, die zur Erforschung dieser räthselhaften Krankheit 
leicht von grösserem KEinflusse seyn‘ dürften, als manche er- 
zählte Krankengeschichte, - vermocht haben.  [Cholera- Archiv 
mit Benutzung amtlicher Quellen etc. Bd. 1. Heft 1., S. 86-—106. 
Berlin , 1832.] * (H—r.) 
8309. Die Cholera in Grosstreben bei Torgau: Der 
Stabsarzt Dr. Lehmann, welcher die Cholera in Grosstreben bei 
Torgau beobachtete , berichtet in einer kleinen Sehrift, dass die 
Cholera, welche daselbst im Monat Februar ausbrach, nicht die 
gefürchtete asiatische, ' für contagiös gehaltene gewesen sey, 
sondern die sporadische, die sich daselbst aus örtlichen: Einflüs- 
sen entwickelt und durchaus nichts Ansteckendes gezeigt habe. 
Es erkrankten von den 665 Bewohnern 5% Personen, von wel- 
chen: 26 (8 ohne ärztliche Hülfe und 16 über 50 Jahre alt) 
starben und 31 genasen, so dass also Keiner in Bestand blieb. 
[Ein kurzer Beweis, dass die in Grosstreben herrschende Krank- 
heit weder asiatischen Ursprungs noch ansteckend ist.‘ Vom 
Dr. Lehmann. Torgau, 1832.] . (H—r.) . 
810. Thermometer-Beobachtungen an Cholera- 
kranken; vom Apotheker LockstTäpT in der Choleraheilanstalt 
Nr. II. zu Berlin. Die Versuche, den die thierische Wärme 
erzengenden Process zu erklären, haben noch keine befriedi- 
genden Resultate geliefert. Es scheint irrig, einzelne zum Le- 
ben nöthige Vorgänge als Ursache der Wärme zu bezeichnen; 
die Entbindung derselben ist nicht allein Folge des Athmens 
and der in den Lungen bewirkten Kohlensäurebildung;‘ sie be- 
ruht nicht auf dem Gehalte des Blutes an Blutkügelchen und sei- 
ner Umlaufsschnelligkeit allein, oder wird-durch stete Aenderung 
der Aggregatzustände bei Verdauung und Ernährung bewirkt; 
anch ist ihre Quelle nicht - einzig im Nervensysteme zu suchen. 
Sie ist Wirkung des Lebens und beruht auf allen 
das Leben bedingenden und erhaltenden Processen. 
Es dürfte also schon bei Störung eines zur Erzeugung der 
Wärme nöthigen Vorganges durch Krankheit die Temperatur 
missgestimmt werden, und um so stärker, je mehr die Thätig- 
keit in mehreren, das Leben bedingenden Vorgängen gleichzei- 
tig gesunken ist. Dies*ist gewiss bei der Cholera der Fall, und
	        
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