Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

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Uürfniss jeder grossen Stadt ist, so wäre es zu wünschen, dass 
man bald an die aufgezählten neue reihen könnte! Gewiss aber 
werden solche Anstalten da gedeihen, wo mit den vorgetragenen 
Lehren die unmittelbare Anwendung des Erlernten am Kranken- 
bette in grössern Krankenanstalten Hand in Hand geht , und der 
dadurch hervorgerufene Nutzen wird kein geringer seyn.. — Ue- 
ber die Petersburger Anstalten dieser Art heben wir aus dem, was 
GrossHEim über dieselben aus seinem. Reisetagebuche mittheilt, 
nur Folgendes aus: Die Kaiserin Maria Feodorowna stiftete im 
Anfange dieses Jahrhunderts ein Witwenhaus für 180 dürftige 
Witwen von Officieren und Beamten gleichen Ranges. Von die- 
sen Frauen suchte .die Kaiserin die zu Krankenwärterinen heran- 
zubilden, welche dazu Beruf zu haben schienen und sich physisch 
und moralisch dazu eigneten. Die Frauen melden sich selbst zu 
diesem Werke’ der Barmherzigkeit; sie müssen 40 Jahre alt seyn 
und so kräftig, dass sie dem schweren Berufe vorstehen können. 
Ihre Ausbildung erhalten sie 2 Jahre lang in den. verschiedenen 
Hospitälern. Zeigen sie sich unterdess als zur Krankenpflege pas- 
send, so werden sie bestätigt und können in der Stadt als Wärte- 
rinen fungiren; oder werden in Krankenanstalten angestellt, wo sie 
die Aufsicht über andere dienstthuende Personen führen. Als 
Zeichen ihres Amtes tragen sie um den Hals an einem grünen 
Bande ein vergoldetes Kreuz mit dem Marienbilde. Als 6. 1830 
die Anstalt sah, fanden sich unter 174 Witwen 37 dergleichen 
Krankenpflegerinen. Jetzt steht die Anstalt unter der regieren- 
den Kaiserin, welche sich zur Beaufsichtigung des Leibarztes v. 
RüHL bedient. — Das gewöhnliche niedere Dienstpersonal in den 
Civilkrankenhäusern besteht in Petersburg und Moskau aus Mäd- 
chen aus, dem Findelhause, welche zu einem andern Berufe zu 
wenig geistige Fähigkeit haben. Unter Aufsicht der Krankenpfle- 
gerin verrichten sie ihre Geschäfte und zwar in der Regel ausge- 
zeichnet gut. Die Militärspitäler bilden auch zweierlei Wärter, 
die Zerulniks oder Feldscherer und das niedere Dienstpersonal, 
Die erstern werden aus dem Findelhause oder aus den Militärwai- 
senhäusern genommen und haben bei den grössern Hospitälern 
Schulen, in denen sie so viel Latein lernen, als nöthig ist, um 
dictando ein Recept zu schreiben, und Unterricht im Aderlassen 
and in klein en chirurgischen Operationen und Hülfleistungen er- 
halten. Sie leben stets unter den Kranken, führen die ärztlichen 
Vorschriften aus und pflegen die Kranken... Das Personal zu den 
niedern Verrichtungen wird von den Invaliden entnommen. Die- 
sen geht fast immer alle Qualification zur Krankenpflege ab, und 
nur militärische Strenge macht sie nützlich. [Berl. med, Zeit. 
1832, Nr. 2.) 
VL Medicin im Allgemeinen. 
(K—e.) 
303. Erste Versammlung englischer Natur- 
Forscher und Aerzte. Die Versammlungen deutscher Na- 
turforscher und Aerzte sind zu York von englischen, der Zeit-
	        
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