Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 203 
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Resultate. Bisweilen zeigte das Duodenum, bisweilen das Ileum, 
bisweilen das Colon, bisweilen die Schleimhaut des ganzen Darm- 
kanals Spuren heftiger Entzündung. Die Schleimhaut war ver- 
dickt, dunkelbraunroth, mit Sugillationen an den hervorragenden 
Stellen der Darmzotten. Aechnliche Sugillationen fanden sich an 
dem Bauchfellüberzuge der dünnen Därme. Bisweilen waren die 
Därme gar nicht entzündet, leer, enthielten eine meconiumartige 
Masse in geringer Menge. Die Galleublase war oft leer, die 
Harnblase sehr gefüllt. (In einigen dieser chronischen Fälle 
war es nöthig, den Urin abzuzapfen.) Wasser unter den Häuten 
des Gehirns und des Rückenmarks fehlte nie. — Die Heilung 
war meistens vollkommen; nur in einigen Fällen blieben Mattig- 
keit und Schläfrigkeit lange Zeit zurück. — Was ist die Krank- 
heit? B. gesteht, dass er es nicht wisse. Es scheint ihm, als 
leide zuerst und direct die ganze Lebenskraft, als nehme dies 
Leiden von den Unterleibsnerven seinen Anfang und gehe dann zu 
dem Gehirne und Rückenmarke über, denn immer beginnt die 
Krankheit mit Unterleibssymptomen. — Was die Behandlung an- 
langt, so hat B. viele Methoden versucht. Er sah bald ein, dass 
man bei herrschender Cholera keine, auch nicht die leichteste 
Diarrhöe vernachlässigen dürfe. Etwas Opium mit Salep oder in 
einer Pot. River. wurde gebraucht. Dies ist das wichtigste, 
aber auch einzige Prophylacticum. Ist die Cholera selbst ein- 
getreten, so sind alle die Lebenskraft erhaltende und aufregende 
Mittel indicirt. Am kräftigsten wirkte Ammon. carbon., alle 2 
Stunden zu 5 Gran in Pulver, oder in Solution, 5j in 3vj Wasser, 
stündlich 1 Esslöffel. Von Moschus ‚Campher, Phosphoräther hat 
B. keinen Nutzen gesehen. Wismuth ist in leichten Fällen, wo 
Kälte und Pulslosigkeit noch fehlen, gut. Die bekannten Haut- 
reize wirken vortrefflich. Nach Bädern tritt oft ein augenblickli- 
cher Collapsus ein, der in verzweifelten Fällen vielleicht den Tod 
beschleunigt. Deshalb war Anfangs B. gegen Bäder eingenom- 
men; doch später liess er sie wieder gebrauchen , nur nicht über 
30° und zu lange. Kräftigen Leuten muss Blut entzogen werden, 
denn es wird dadurch der Lebenskraft eine Last abgenommen. 
Nux vomica , Sauerstoffeinathmungen halfen nichts. Heisse 
Dampfbäder vermehrten den Hirndruck so sehr, dass bald der 
Tod erfolgte. Gelinde Dampfbäder sollen genützt haben; B. hat 
sie nicht versucht. Ist die Krankheit gebrochen , und zeigt sich 
Hirndruck, so sind kalte Begiessungen und Umschläge vortreff- 
lich. Ein Mädchen schien schon verloren; da B. zugleich mit 
Dr. Görtz bemerkt hatte, dass alle Kranken, bei denen Salivation 
eintrat, gerettet wurden, so liess er ihm über den ganzen Kör- 
per in 32 Stunden 3 Mal 1 5 Ung. Neapol. und auch Kalomel in 
den Gaumen einreiben. Die Krankheit wurde chronisch und durch 
kalte Begiessungen beseitigt. — Die Ansteckung hat B. nach sei- 
nen Erfahrungen bis jetzt läugnen müssen, doch sind kürzlich in 
der Nähe Danzigs Fälle vorgekommen, die ohne Ansteckung nicht
	        
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