Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

V. Gynäkologie und Pädiatrik. 
einen entzündlichen Zustand andeuteten,‘ und die Symptome 
liessen eine Entzündung in Verbindung mit acutem Fieber nicht 
verkennen.‘ Die Untersuchung von 56 Leichnamen bestätigte 
vollkommen diese Ansicht, indem sich bei 54 derselben die be- 
kannten Produkte der Entzündung in den innern Geschlechts- 
örganen und den benachbarten Gebilden deutlich nachweisen 
liessen. Ueberhaupt stimmen die Nachrichten der besten Schrift- 
steller von dem Kindbettfieber dahin überein,‘ dass die Krank- 
heit mit. grosser Empfindlichkeit und: Schmerz in der Gegend 
des Uterus beginnt, und dass die Leichenöffnungen Entzündung 
der Becken- und Unterleibseingeweide darboten. Dr. WıLLIAM 
Hunter, HuLme, JoserH CLARKE, GORDON, CAMPEELL, MACKIN- 
rosn und Andere führen alle dieselben krankhaften Structur- 
veränderungen an, und selbst diejenigen, die wie HAMILTON, 
Jon CianKe und Goock: die Krankheit von andern Ursachen, 
ais von Entzündung der Beckeneingeweide herzuleiten bemüht 
sind, können die mannigfaltigen Störungen, welche diese Krank- 
heit in den Organen des Geschlechtssystems hervorbringt, nicht 
läugnen. ‘ Behandlung der Gebärmutterentzündung, 
Der zu mancher Zeit herrschenden Disposition zu dieser Krank- 
heit, welche sich durch Empfindlichkeit der Gebärmutter beim 
Drucke und beschleunigten Puls beurkundet, ist nach ChHausıer’s 
Erfahrung am besten durch schmerzstillende innere und ‚durch 
örtliche, auf das Hypogastrium angewendete, besänftigende Mit- 
tel zu begegnen. ChHAusıer war von der guten Wirkung dieser 
Mittel so sehr überzeugt, dass er jeder Wöchnerin, um das 
Puerperalfieber zu verhindern, von Zeit zu Zeit kleine Dosen 
von Dowsr’schem Pulver und erweichende Umschläge auf den 
Unterleib nehmen liess... Diese Behandlung erweist sich aber 
bei der ausgebrochenen Entzündung des Bauchfellüberzuges der 
Gebärmutter, und wo die Krankheit epidemisch herrscht, ala 
ganz unzureichend, und trotz des Blutlassens und anderer Mit- 
tel erfolgt auch meistens der Tod. Der Aderlass in dieser 
Krankheit ist kein so sicheres Mittel, wie in andern Entzün- 
dungen, ist nur da, wo die Symptome von Peritonitis sich mit 
grosser Heftigkeit äussern, vortheilhaft anzuwenden, und dann 
reichlich und wiederholt. Die Anwendung der Blutegel ist nach 
dem Grade des Schmerzes zu reguliren, und nachher sind warme, 
erweichende Umschläge auf den Unterleib von Nutzen. Der 
Verf. verordnete innerlich alle zwei Stunden 5 Gran Kalomel 
mit eben so viel Antimonialpulver, und nach der zweiten Gabe 
reichte er oft ein starkes Purgirmittel, und wiederholte auch 
dasselbe nach Maassgabe der Wirkung. Bei Fortdauer der Schmer- 
zen nach dieser Behandlung wandte er Opium bis zu einem 
Grane mit günstigem Erfolge an. In minder heftigen Anfällen 
ist ein mässiger Aderlass, ja selbst auch nur Blutegel nebst den 
eben genannten innerlichen Mitteln ausreichend. Die zuerst im 
Jahre 1780 von DouvuLczT zu. Paris empfohlenen und noch bis 
189
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.