Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

V. Gynäkologie und Pädiatrik. 187 
wie es zu London der Fall gewesen‘ seyn soll, ünd ihm: stimmt 
auch BaAupELocquE bei, Hingegen in dem Krankenhause zu 
Dublin , zu Edinburg, zu Wien und in den meisten Hospitälern 
zu London hat sie zu*verschiedenen Zeiten epidemisch geherrscht 
und sich durch Contagien verbreitet. Dr. Gordon zu Aberdeen 
und Dr. ARmsTROnG zu Sunderland beobachteten, dass die Krank- 
heit vorzugsweise in der Praxis gewisser Hebammen und Aerzte 
vorkam. Dr. Jonn CLARKE ist: von: der Ansteckung überzeugt, 
ob er gleich wohl weiss, dass Fälle in der Privatpraxis ohne 
mögliche Ansteckung vorkommen. ‘Der Verf. spricht seine Mei- 
nung nicht entschieden aus und führt noch an, dass 
mehrere solcher Erkrankungen bei Wöchnerinen vorkamen, die 
von einer Hebamme entbunden‘ wurden. Besonders merkwürdig 
ist ein Fall, wo ein Arzt, nach der Section: einer an dieser 
Krankheit verstorbenen Frau, eine Kreissende besuchte, welche 
zwar glücklich entbunden, aber zwei Tage nachher von dersel- 
ben Krankheit befallen wurde und starb. Desgleichen behan- 
delte derselbe Arzt binnen wenig Tagen’ noch zwei Frauen, 
welche dasselbe Schicksal hatten. Eben so wurde dieser Arzt 
zu einer jungen, kräftigen Frau gerufen, welche an Pleuritis 
litt; ein verrichteter Aderlass hatte günstigen Erfolg; allein 
nach einigen Tagen stellten sich Schmerzen an der Aderlass- 
wunde ein, ohne dass man ein Zeichen von Entzündung um 
dieselbe fand, aber die innere Fläche des Armes vom Ellenbo- 
gen bis zur Achselhöhle war rosenartig entzündet; heftiges Fie- 
ber, trockne Zunge und nächtliche Delirien zeigten ein beson- 
deres Leiden. Die rosenartige Entzündung breitete ‚sich auf 
verschiedene Stellen des Körpers aus, und die angeführten all- 
gemeinen Symptome verschlimmerten sich binnen einigen Tagen, 
und der Tod erfolgte, Bei der Untersuchung des Leichnams 
fand man die Wunde der Mediana offen und ihre Höhle mit 
purulenter Flüssigkeit angefüllt; die Wände derselben und der 
Basilica waren bis zur Vena axillaris verdickt , denen der 
Arterien ähnlich, und innen. geröthet. ‘Die Mündungen der in 
die Basilica gehenden Venen wurden durch geronnenes Blut 
oder Lymphe verschlossen; das Zellgewebe war längs der in- 
nern Armfläche sehr gefässreich und mit Serum infiltrirt; die 
Venen des andern Armes zeigten keine Spur von Krankheit, ob- 
gleich die Infiltration des Zellgewebes noch bedeutender er- 
schien. Die Unterleibsorgane waren gesund. Die Meinung des 
Verf. geht dahin, dass das Wesen der sogenannten Paerperal- 
feber, wie auch die Natur der entfernteren Ursachen dersel- 
ben seyn mag, doch hloss in der Entzündung der Uterinorgane 
begründet sey, und dass sie in gewisser Hinsicht ‘ihres Vor- 
kommens mit dem Hospitalbrande, der Rose und andern specifi- 
scher Entzündungen Aehnlichkeit haben, da sie eben so, wie 
diese,‘ ohne anzugebende Ursachen in Krankenhäuser kommen 
und verschwinden, und demnach om: einem atmösphärischen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.