Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

138 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
schen des Präparats ist oft nicht möglich, hilft auch nur kurze 
Zeit. Schutz vor kalter Luft, Vermeidung kalter Getränke und 
das Einziehen des Dampfs aus einem in heisses Wasser ge- 
tauchten Schwamme mildern das Uebel ebenfalls nur kurze Zeit. 
Schwellen die Drüsen, so muss man Kataplasmen aus Flieder- 
blumen, Semmel und Milch warm, doch nicht heiss, über den 
Hals legen, wodurch man ungemeine Krleichterung verschafft. 
Schwillt die Zunge dennoch, so müssen sogleich Blutegel an 
den obersten Theil des Halses gelegt werden, so schwer dies 
auch ist, da sie nicht saugen wollen. Um Verwachsungen im 
Munde zu verhüten, muss man den Hals .fleissig mit lauem 
Wasser ausspülen lassen. Sehr wohlthätig ist Gurgeln mit fri- 
schem Safte aus rothen Rüben oder Runkelrüben , mit Flieder- 
aufguss und Borax oder Althaca decott mit wenig Berberissäure. 
Zucker und Essigsäure: machen Schmerzen. Den Leib müssen 
Klystiere offen erhalten, Laxirmittel aber sind höchst gefähr- 
lich und führen den Kranken zum sichern Untergange. c) durch 
plötzliches Aufhören des Speichelflusses und Krscheinen eines 
wässerigen Durchfalls, wo Opium, Sinapismen an die Speichel- 
drüsen, Frietionen und heisse Bäder zu benutzen sind, die das 
Leben aber wohl nicht retten; endlich d) durch Apoplexie, 
die bisweilen blitzschnell, bisweilen nach. Vorboten eintritt. 
Kranke über 50 Jahre und Gichtische sind ihr besonders ausge- 
setzt. Langsamkeit des Pulses scheint kein sicheres Vorzeichen 
zu seyn. Nach dem 15. Tage ist die Gefahr die grösste, 
auch ist sie nach der Cur nicht vorüber. Die Vortheile der- 
selben gehen auf folgende hinaus: Sie entwickelt die Wirkung 
des Quecksilbers auf den höchsten Grad, leistet also, was das 
Metall nur leisten kann; sie unterstützt die Wirkung des Me- 
talls durch die besten Beihülfen, durch KEntziehung der Nah- 
rung und Schweiss; sie bedarf zu ihrer Wirkung nur eine ge- 
ringe Quantität des Metalls, und sie ist an keine Zeit gebunden. 
Dagegen sind ihre Nachtheile: Sie ist ungemein qualvoll und 
beschwerlich; sie ist ein Intoxicationsprocess, der durch ein 
leichtes Versehen, ja auch ohne dieses, tödtlich werden kann, 
der sehr schwächt und leicht künftiges Siechthum bedingen 
kann; bei .aller Beschwerde und aller Gefahr heilt sie doch 
nicht immer, was am besten zeigt, dass das Quecksilber kein 
Specificum ist; man wird endlich oft — was der reellste aller 
Vorwürfe ist — gezwungen, sie zu unterbrechen und aufzuge- 
ben. In dieser Hinsicht sollte man sie weder in den kälte- 
sten, noch in den wärmsten Monaten, noch bei Schwächlichen 
unternehmen. Sind nicht grosse Missgriffe vorgekommen, so 
ist man übrigens selten gezwungen, zur Inunction seine Zu- 
ARucht zu nehmen; nur wo durch schlechte Cur kein Quecksil- 
ber mehr innerlich genommen werden kann, ist sie ‘durchaus nö- 
thig. In andern Fällen kann man viel vom Kalomel hoffen, 
dessen Anwendung weniger beschwerlich und minder gefährlich
	        
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