Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

(1. Päthologie, Therapie ünd medieinische Kilnik; 147 
man den‘ Körper an grössere Dosen gewöhnt hat. Er macht 
nicht leicht Durchfall und Speichelfluss und vollendet den Töd- 
tungsprocess meist nur halb. Will man vom Quecksilber Nu- 
tzen sehen, so muss es nach einer bestimmten Methode ge- 
reicht werden, und die Ernährung darf nur sparsam und dürf- 
tig seyn, auch muss der Kranke sich warm halten. Laxirmit- 
tel, Aderlass und warme Bäder gehören zur Vorcur. Der Su- 
blimat bringt die wenigste Gefahr und macht die geringste 
Beschwerde, doch reicht er, besonders bei weitgediehenen Kno- 
chenleiden, nicht aus. Am besten reicht man ihn in Pillen 
und steigt von ungefähr 3-—+4 Gr. bis zu der ungeheuern Do- 
sis von 14 Gran. Man giebt sie, um den Magen zu schützen, 
nach dem wenigen Essen nur ein Mal täglich und lässt einen 
Tag frei. Die höchste Gabe nimmt so der Kranke am 25. 
Tage, und nun steigt man in der Dosis wieder herab. Zur vol- 
len Cur sind 40-— 44 Tage nöthig.. Während dieser Cur lässt 
man Sassaparillenthee trinken; die Sassaparille muss aber mace- 
rirt und einer langen Hitze ausgesetzt werden, sonst wirken Süss- 
holz oder Fenchelthee eben so viel. — Bei Schwangern ist 
diese Sublimateur durchaus höthig. Hat sie nicht gründlich ge- 
holfen, so kann man ihr andere folgen lassen, was umgekehrt 
nicht möglich ist. Die Entwickelung der Lungensucht wird durch 
sie beschleunigt. Gewisse Hülfe leistet sie bei Halsschankern 
and syphilitischen Ausschlägen, auch bewährt sie sich oft im 
dritten Stadium, wenn noch keine Caries ausgebrochen ist. Wo 
aber diese sich zeigt, besonders wo Ozaena zugegen ist und 
Exostosen aufbrechen, leistet sie nichts. In solchen Fällen 
muss man unverzüglich zur LouvRıER’schen Cur schreiten, 
wenn nicht Schwangerschaft, hohes Alter und andere Nebenum- 
stände dieselbe verbieten. Sie ist unter allen die kräftigste und 
gewährt die sicherste Hoffnung gründlicher Heilung für immer. 
Sie kann nach der allgemein bekannten Methode durchgeführt 
werden; nur sollte man mit dem Laxiren dabei vorsichtiger um- 
gehen. Wird der Puls klein und schnell, so muss man die 
Cur aufheben, wenn nicht der Kranke vor dem 15: Tage un- 
ter Delirien sterben soll. Mit diesem Tage sind‘ die syphiliti- 
schen Symptome meist alle gehoben; die fortgesetzte Cur 
schützt nur vor Wiederausbruch‘ derselben: Ob die Salivation 
stark oder schwach war, hat auf die Cur keinen Einfluss. Wäh- 
rend der Cur kann der Kranke auf vierfache Weise in Lebens- 
gefahr kommen: a) durch wahre Vergiftung, wö mm vie Cur 
sogleich beendigen und Schwefel und analytische Arzneien rei- 
chen muss. b) durch Heftigkeit des Speichelflusses , der durch 
Zungengeschwulst Erstickung veranlassen, auf die Därme fal- 
len und durch Matastase oder hektisches Fieber Zum Tode 
führen kann. Der Speichelfluss ist bet der Cur der Lues dem 
Kranken nicht zu ersparen; und die meisten Quecksilbercuren 
misslingen, weil man; wenn er eintritt, sie abbricht; Vertau“ 
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